Immer mehr Unternehmen entscheiden sich im Zuge der All-IP-Umstellung f√ľr eine VoIP Telefonanlage. Kein Wunder, denn die VoIP-Telefonie bietet gegen√ľber ISDN zahlreiche Vorteile. Welche das sind, wie VoIP-Telefonanlagen funktionieren, welche technischen Voraussetzungen f√ľr die Nutzung erforderlich sind und welche unterschiedlichen Modelle es gibt, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

1. Was ist eine VoIP-Telefonanlage?

1. Was ist eine VoIP Telefonanlage?

Bei einer VoIP-Telefonanlage, auch VoIP TK-Anlage oder IP-PBX genannt, handelt es sich um eine Telefonanlage bei der kein herk√∂mmlicher Telefonanschluss mehr erforderlich ist, sondern die Gespr√§che √ľber eine Internetverbindung gef√ľhrt werden.

Die Sprachinformationen werden dabei in kleinen Datenpaketen √ľber ein Datennetzwerk anstatt √ľber das herk√∂mmliche Telefonnetz transportiert. Hierbei kommt das Netzwerkprotokoll SIP (Session Initiation Protocol) zum Einsatz. Da die VoIP Telefonanlage das Datennetzwerk nutzt, um sich mit den Telefonen oder anderen IP-f√§higen Endger√§ten zu verbinden, ist eine Telefonverkabelung am Firmenstandort nicht l√§nger notwendig. Mittels VoIP-Gateway lassen sich VoIP Telefonanlagen an klassische Telefonleitungen anschlie√üen, wodurch der Umstieg mit wenig Aufwand verbunden ist.

Bei einer VoIP-Telefonanlage unterscheidet man zwei verschiedene Arten:

  • Lokal installierte Hardware-Telefonanlage
  • Gehostete Telefonanlage aus der Cloud
2. Funktionsweise der IP-Telefonanlage

2. Wie funktioniert die IP-Telefonanlage?

Eine VoIP Telefonanlage besteht aus einem oder mehreren VoIP-Telefonen, einem IP-Telefonanlagen-Server und einem optionalen VoIP-Gateway, √ľber das herk√∂mmliche Telefonleitungen (PSTN-Leitungen) angebunden werden k√∂nnen.

Lokale SIP-Telefonanlagen lassen sich √ľber SIP-Trunks an das Internet anbinden und per VoIP(SIP) mit einem Trunking-Dienst wie Placetel verbinden.

Infografik, die SIP-Trunking erklärt.

VoIP-Anbieter sind in der Lage, √ľber SIP eine beliebige Anzahl an Sprachkan√§len mit der Telefonanlage ihrer Kunden zu verkn√ľpfen. Dadurch ist es m√∂glich eingehende Gespr√§che vom SIP-Trunking Provider zu erhalten und an die Teilnehmer, die an der Telefonanlage angemeldet sind, weiterzuleiten und auch ausgehende Telefonate √ľber den SIP-Trunking Anbieter zu f√ľhren.

Der IP-Telefonanlagen Server kann mit einem Proxy-Server verglichen werden. SIP-Clients, bei denen es sich um Hardphones (IP-Telefon) oder Softphones (Software-Telefon) handeln kann, melden sich zunächst am Server an.

Wichtig zu wissen: Bei einer IP-Telefonanlage werden die Telefone nicht l√§nger in die TAE-Buchse oder in eine ISDN-Box oder in einen Splitter eingest√∂pselt. Stattdessen werden sie an den DSL-Router oder ein VoIP-f√§higes Kabelmodem angebunden, √ľber die eine Anbindung an das Internet besteht.

Die IP-Telefone sowie die Computer der Mitarbeiter werden √ľber das Unternehmensnetzwerk direkt mit der VoIP-Telefonanlage verbunden. So wird eine Verbindung zu externen Nebenstellen hergestellt. F√ľr den Gespr√§chsauf- und abbau sowie f√ľr die Verbindungskontrolle ist das SIP-Protokoll zust√§ndig und mittels VoIP (Voice over IP) werden die analogen Sprachsignale in digitale Datenpakete umgewandelt, sodass sie √ľber das Internet weitergeleitet werden k√∂nnen. Das SIP-Protokoll sorgt daf√ľr, dass alle angeschlossenen IP-Endger√§te miteinander kommunizieren k√∂nnen.

Die IP-Telefonanlage verf√ľgt √ľber Informationen zu allen angemeldeten Telefonen/Nutzern und deren SIP-Adressen. Diese Informationen dienen zum dazu, interne Gespr√§che zu verbinden oder ausgehende Gespr√§che mittels VoIP-Gateway oder eines SIP-Anbieters weiterzuleiten.

Nutzt der Gesprächspartner keine VoIP-Telefonie oder einen anderen Provider, werden die analogen Sprachsignale mittels VoIP Gateway ins herkömmliche Telefonnetz eingespeist.

3. Voraussetzungen f√ľr die Voice over IP Telefonanlage

3. Voraussetzungen f√ľr die Voice over IP Telefonanlage

  • Internetanschluss mit ausreichend gro√üer Bandbreite

    Die Grundvoraussetzung um √ľber VoIP telefonieren zu k√∂nnen, ist eine stabile Internetverbindung. Als Richtwert, um eine gute Sprachqualit√§t sicherzustellen, muss mit etwa 100kbit/s an Bandbreite (in Up- und Downloadrichtung) pro Sprachkanal gerechnet werden. Bitte beachten Sie, dass Sie nicht nur Bandbreite f√ľr Telefongespr√§che, sondern auch noch f√ľr die normale Internetnutzung ben√∂tigen. In unserem VoIP-Bandbreiten Ratgeber erfahren Sie, worauf Sie bei der Auswahl Ihres Internetanschlusses achten sollten und wie sich die Bandbreite priorisieren l√§sst.

  • SIP-Anbieter

    Der SIP-Anbieter kann als eine Art zentrale Schnittstelle verstanden werden, bei der man sich ein Benutzerkonto einrichten muss, um die VoIP-Telefonie nutzen zu k√∂nnen - er stellt also quasi den Service bereit, um √ľber das Internet telefonieren zu k√∂nnen.

  • VoIP-f√§hige Endger√§te

    F√ľr die Nutzung einer VoIP Telefonanlage werden voip-f√§hige Endger√§te ben√∂tigt. Folgende M√∂glichkeiten stehen Ihnen zur Auswahl:

    1. IP-Telefon

    Eine M√∂glichkeit, um √ľber VoIP zu telefonieren, ist die Nutzung eines IP-Telefons z.B. der Hersteller Cisco, Snom oder Yealink. Das VoIP-Telefon kann √ľber einen freien LAN-Port des Routers direkt an das Internet angeschlossen werden.

    2. PC oder das Smartphone

    Wenn Sie nur gelegentlich Telefonate f√ľhren und sich keine SIP-Telefone anschaffen m√∂chten, k√∂nnen Sie durchaus einfach √ľber die integrierten Lautsprecher und Mikrofone Ihres Computers oder Laptops telefonieren oder ein Smartphone nutzen. Bei vielen Telefongespr√§chen empfiehlt es sich aber eher ein Headset zu nutzen. Um √ľber den PC oder das Smartphone via VoIP zu telefonieren, ist ein sogenanntes Softphone bzw. eine App erforderlich.

    3. Analoges oder ISDN-Telefon

    Keine Sorge, die Anschaffung neuer IP-Telefone ist meist nicht notwendig. Denn auch wenn Sie weder neue IP-Telefone besitzen, noch √ľber den PC oder das Smartphone telefonieren m√∂chten, gibt es noch eine weitere Alternative. Im Allgemeinen k√∂nnen Sie auch Ihre bisher verwendeten analogen oder ISDN-Telefone behalten. Hierf√ľr ist es allerdings erforderlich, sich einen analogen Telefonadapter (ATA) bzw. sich einen ISDN-Telefon-Adapter (ITA) anzuschaffen. Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie in unserem Artikel ISDN-Telefonanlage am VoIP-Anschluss.

Über das Cloud-Netzwerk ist das IP-Telefon, das Smartphone, der Computer und das herkömmliche Telefon mit der VoIP-Telefonanlage verbunden.
  • Rufnummern

    Um telefonieren zu k√∂nnen, brauchen Sie selbstverst√§ndlich noch eine Telefonnummer. Ob Sie Ihre bisherige Rufnummer behalten wollen oder neue Rufnummern bestellen m√∂chten, ist ganz Ihre Entscheidung. Bei Ersterem m√ľssen Sie bei Ihrem neuen Anbieter einen Portierungsantrag ausf√ľllen. Hat der alte Anbieter der Rufnummernportierung zugestimmt, legt dieser einen Portierungstermin fest, welchen Sie von Ihrem neuen VoIP-Anbieter mitgeteilt bekommen.

Interessant zu wissen: Neue Rufnummern k√∂nnen Sie bei einer virtuellen IP-Telefonanlage meist einfach √ľber eine Weboberfl√§che hinzubuchen.

4. Vorteile einer VoIP Telefonanlage

4. Vorteile einer VoIP Telefonanlage

Virtuelle VoIP Telefonanlagen bieten sowohl gegen√ľber herk√∂mmlichen Telefonanlagen [ISDN und analog] als auch gegen√ľber lokal installierten IP-Telefonanlagen eine Menge Vorteile, weshalb sie sich einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen.

  • Kosteneinsparungen

    Im Gegensatz zu einer lokal installierten Telefonanlage fallen f√ľr Sie bei einer gehosteten IP-Telefonanlage keine zus√§tzlichen Anschaffungskosten an. Vor allem Startups und KMUs greifen daher h√§ufig auf eine On-Demand-L√∂sung zur√ľck, da auf Unternehmensseite keine Kosten f√ľr eine Telefonanlage, zus√§tzliche Hardware, die Installation oder geschultes IT-Personal entstehen. Zudem lassen sich durch kostenlose interne Gespr√§che, g√ľnstige Verbindungsentgelte und den Wegfall eines Telefonanschlusses weitere Kostenvorteile sichern. Nur eine ausreichende Internet Breitbandverbindung ist f√ľr den Betrieb Ihrer neuen VoIP-Telefonanlage erforderlich.

  • Wartungsfreiheit

    Die Verantwortung f√ľr die Bereitstellung, die Wartung und anfallende Updates der virtuellen Telefonanlage liegt allein beim Provider. Sie als Nutzer brauchen sich dadurch um nichts k√ľmmern. Alle Updates werden automatisiert durchgef√ľhrt.

  • H√∂chstm√∂gliche Sicherheit

    Viele Unternehmen hegen nach wie vor Sicherheitsbedenken gegen√ľber Cloud-Telefonanlagen. Diese sind jedoch v√∂llig unbegr√ľndet, solange Sie bei der Auswahl Ihres Anbieters auf bestimmte Kriterien achten. Seri√∂se VoIP-TK-Anbieter k√∂nnen Ihnen h√∂chstm√∂gliche Sicherheit bieten, da die Technologie der Telefonanlage meist in verschiedenen Hochleistungs-Rechenzentren in Deutschland gehostet und abgesichert wird. Dadurch profitieren Sie bei den meisten Anbietern von einer Hochverf√ľgbarkeit von √ľber 99,9%. Zudem werden kontinuierliche Sicherheitsupdates der Telefonanlage durchgef√ľhrt. Wird die Telefonanlage im eigenen Unternehmen installiert, k√∂nnen h√§ufig nicht dieselben hohen Sicherheitsstandards wie mit einer gehosteten VoIP-Telefonsystem eingehalten werden.

  • Hohe Benutzerfreundlichkeit

    F√ľr das Bedienen einer virtuellen IP-PBX ist kein fachliches Know-How erforderlich. Alle Einstellungen k√∂nnen √ľber eine Benutzeroberfl√§che im Browser vorgenommen werden. Innerhalb weniger Minuten ist die VoIP Telefonanlage eingerichtet und Sie k√∂nnen lostelefonieren.

  • Flexible Skalierbarkeit

    Da wir uns in dynamischen Zeiten befinden, spielt eine hohe Flexibilit√§t und Skalierbarkeit gerade f√ľr kleine Unternehmen eine gro√üe Rolle. Aus einem Zweimannbetrieb kann auch schnell mal ein gr√∂√üeres Unternehmen werden. Hierf√ľr ist es wichtig, dass die Telefonanlage sich flexibel an die Anspr√ľche des Unternehmens anpassen kann. Mit einer virtu ellen VoIP-Telefonanlage ist das gar kein Problem. Sie w√§chst ganz einfach mit Ihrem Unternehmen mit. Rufnummern k√∂nnen Sie beliebig be- und abbestellen und zahlen so nur f√ľr die Nebenstellen, die Sie auch wirklich brauchen.

Einfache Skalierung: Links zwei Mitarbeiter, rechts sind es 12 Mitarbeiter
Aus einem Zweimannbetrieb kann auch schnell mal ein größerer Betrieb werden.
  • Ortsunabh√§ngigkeit

    Cloud-Telefonanlagen punkten vor allem aufgrund ihrer hohen Mobilit√§t und Flexibilit√§t. Die VoIP-Anlage kann nach der Einrichtung von jedem beliebigen Standort aus und mit unterschiedlichen Endger√§ten (Smartphone, PC, Tablet oder Telefon) eingesetzt werden. Vorausgesetzt der Nutzer hat eine Internetverbindung. Das erm√∂glicht es Ihnen, unterschiedliche Standorte und Mitarbeiter, die im Home Office arbeiten, an dieselbe Telefonanlage anzubinden. Auf Wunsch bleiben Sie zudem jederzeit unter Ihrer B√ľrorufnummer erreichbar - und das weltweit. So ist gew√§hrleistet, dass Sie keinen Anruf mehr verpassen- egal wo Sie sich gerade befinden.

  • Riesiger Funktionsumfang

    Der Funktionsumfang herk√∂mmlicher Telefonanlagen kann bei weitem nicht mit dem moderner VoIP-Telefonanlagen mithalten. Hier stehen einem h√§ufig weit √ľber 100 Funktionen zur Verf√ľgung. Darunter Leistungsmerkmale wie Telefonkonferenzen, IVR, Wartemusik, BLF und viel mehr. Manche Provider bieten sogar Unified Communication Features wie Screen-Sharing, Videokonferenzen und Instant Messaging, wodurch die Zusammenarbeit im Team deutlich effizienter gestaltet werden kann. Aber auch herk√∂mmliche Funktionen wie Makeln, Halten oder die Rufweiterleitung sind nat√ľrlich im Funktionsumfang enthalten.

5. Nachteile einer VoIP-Telefonanlage

5. Nachteile einer VoIP-Telefonanlage

  • Abh√§ngigkeit von der Internetverbindung

    Mit der VoIP-Telefonie kann eine ausgezeichnete Sprachqualit√§t erzielt werden, die der ISDN-Telefonie in nichts nachsteht. Voraussetzung hierf√ľr ist allerdings eine stabile Internetverbindung, denn die Sprachqualit√§t ist immer nur so gut wie das √úbertragungsnetz selbst. Bei einer instabilen DSL-Leitung wird die Gespr√§chsqualit√§t darunter leiden und es kann zu Aussetzern oder Gespr√§chsabbr√ľchen kommen. Sofern einmal keine Internetverbindung besteht, kann auch nicht telefoniert werden. Um Gespr√§chsabbr√ľche zu vermeiden, empfehlen wir deshalb eine Breitbandverbindung mit garantierter Verf√ľgbarkeit zu nutzen.

  • Probleme beim Stromausfall

    Eine VoIP-Telefonanlage funktioniert wie bereits erwähnt nur mit einer stabilen Internetverbindung. Im Falles eines Stromausfalls wird der Router jedoch nicht mehr mit Strom versorgt und die Internetverbindung wird getrennt. Gegen dieses Problem hilft z.B. eine Pufferbatterie (USV). Alternativ kann bei einer Cloud-Telefonanlage aber auch ein Notfallplan erstellt werden. Wie das z.B. bei Placetel funktioniert, zeigt Ihnen das folgende Video:

  • Notwendigkeit sicherer Passw√∂rter

    Online-Dienste sollten grunds√§tzlich mit sicheren Passw√∂rtern gesch√ľtzt werden. Das gilt auch f√ľr ein Benutzerkonto bei einem VoIP-Anbieter Ihrer Wahl. Sichere Passw√∂rter zeichnen sich durch viele Zeichen aus (mindestens acht), bestehen aus Gro√ü- und Kleinbuchstaben und verf√ľgen zumindest √ľber ein Sonderzeichen. Bei den meisten VoIP-Providern ist es au√üerdem m√∂glich bzw. erforderlich f√ľr die Weboberfl√§che eine Zwei-Faktor-Authentifizierung einzurichten.

Vorteile

  • Kosteneinsparungen
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  • Wartungsfreiheit
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  • H√∂chstm√∂gliche Sicherheit
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  • Hohe Benutzerfreundlichkeit
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  • Flexible Skalierbarkeit
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  • Ortsunabh√§ngigkeit
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  • Riesiger Funktionsumfang

Nachteile

  • Abh√§ngigkeit von der Internetverbindung
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  • Probleme beim Stromausfall
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  • Notwendigkeit sicherer Passw√∂rter








6. Lokal installierte oder gehostete IP-Telefonanlage?

6. Lokal installierte oder gehostete IP-Telefonanlage?

Mit dem Anstieg der Internetnutzer hat sich auch unser Kommunikationsverhalten drastisch ver√§ndert. So gaben laut der von IDG Research durchgef√ľhrten Smart Business Communications Studie 2019 die H√§lfte der befragten Firmen an, Ihre Telefonanlage in den n√§chsten sechs bis zw√∂lf Monaten erneuern zu wollen und auf eine IP-Telefonanlage oder eine Cloud-Telefonanlage umzusteigen. Grund hierf√ľr war vor allem die Ank√ľndigung der Telekom die ISDN- und Analog-Telefonie komplett auf die IP-Telefonie umstellen zu wollen. Das Betreiben zweier paralleler Netze ist f√ľr die Netzbetreiber einfach zu teuer und das klassische analoge TK-Netz und ISDN sind einfach nicht zukunftsf√§hig. Neuen Angaben zufolge soll die ISDN-Abschaltung der Telekom f√ľr Gesch√§ftskunden nun in 2020 erfolgen.

Unternehmen, die sich f√ľr eine VoIP Telefonanlage interessieren, stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Sie haben die Wahl zwischen einer physischen VoIP-Telefonanlage, die lokal am Firmenstandort installiert wird und einer gehosteten (virtuellen) L√∂sung, die von einem Serviceprovider als Dienst in der Cloud bereitgestellt wird. Ob sich Ihr Unternehmen bei der Auswahl einer Telefonanlage VoIP eher f√ľr eine On-Premise oder eine On-Demand L√∂sung entscheiden sollte, h√§ngt von mehreren Faktoren wie beispielsweise der Netzwerksituation, den Gesch√§ftsanforderungen und Ihrer finanziellen Situation ab.

6.1 Wann eignet sich eine Hardware-Telefonanlage und wann eine Cloud-Lösung?

Ein Bildschirm, auf dem ein Gebäude vs. Wolke abgebildet ist.

Wenn sich Ihr Unternehmensstandort beispielsweise in einer Region befindet, in der Ultrabreitband verf√ľgbar ist, k√∂nnen Sie in jedem Fall √ľber eine Cloud-L√∂sung nachdenken.

Befindet sich Ihr Standort jedoch an einem Ort, in dem es nur eine Internetverbindung mit geringen Daten√ľbertragungsraten gibt, ist es ratsam, auf eine Hardeware-L√∂sung (On-Premise) zur√ľckzugreifen. Um n√§mlich eine gute Sprachqualit√§t mit einer Cloud-Telefonanlage zu gew√§hrleisten, ben√∂tigen Sie ca. 100kBit/s pro Sprachkanal in Up- und Downloadrichtung.

Die Netzbetreiber treiben den Ausbau von Breitband-Internetanschl√ľssen jedoch kontinuierlich weiter, sodass schlechte Daten√ľbertragungsraten in Zukunft wohl immer seltener werden.

Zur Info: Die Entscheidung f√ľr oder gegen eine On-Premise oder On-Demand L√∂sung h√§ngt aber vor allem auch von der Unternehmensgr√∂√üe ab. Gerade f√ľr kleine- und mittelst√§ndische Unternehmen sind Cloud-L√∂sungen meist besser geeignet als Harware-L√∂sungen.

Was es mit On-Premise und On-Demand-Lösungen auf sich hat und welche Vor- und Nachteile die einzelnen Modelle bieten, wollen wir nun näher erläutern.

6.2 Definition: On-Premise

Bei einer On-Premise oder Inhouse- L√∂sung befindet sich die PBX genau wie Ihre bisherige Telefonanlage in Ihrem Unternehmen. Die Telefonanlage wird k√§uflich erworben und anschlie√üend selbst im eigenen Netzwerk betrieben. Bei der On-Premise-L√∂sung m√ľssen Sie als Nutzer das System auf Ihren Servern selbst installieren und absichern.

Vorteile einer On-Premise-Lösung

  • Beibehaltung der vollen Kontrolle
    Mit der vor Ort installierten IP-Telefonanlage behalten Sie die volle Kontrolle √ľber alle gesch√§ftskritischen Daten. Diese bleiben vertraulich und werden nicht an Dritte weitergegeben.

  • Vereinfachte Integration von In-House-L√∂sungen
    Da die Software-Pflege in Ihrer Verantwortung liegt, können Sie vorhandene interne Softwarelösungen wie beispielsweise CRM-Systeme zur einfacheren Kundenbetreuung ganz einfach in die lokale Telefonanlage integrieren.

  • Sein eigener Herr √ľber die Ausfallzeiten sein
    Da die VoIP-Telefonanlage auf Ihren Servern installiert wird und Sie f√ľr anfallende Updates und die Instandhaltung verantwortlich sind, haben Sie die Ausfallzeiten der Telefonanlage immer selbst im Griff. Gibt es aufgrund einer technischen St√∂rung Schwierigkeiten mit der Internetverbindung, greift die Telefonanlage auf lokale traditionelle Telefonleitungen zur√ľck, damit der Betrieb aufrechterhalten werden kann.

Nachteile einer On-Premise Lösung

  • Investitionskosten
    Unternehmen, die sich f√ľr eine On-Premise-L√∂sung entscheiden, m√ľssen mit relativ hohen Anschaffungskosten rechnen.

  • Kosten f√ľr Bereitstellung, Wartung und laufende Systemverwaltung
    Au√üerdem fallen Kosten f√ľr die Bereitstellung einer eigenen Server-Infrastruktur sowie eine Wartungsgeb√ľhr f√ľr Updates und Support an. Des Weiteren brauchen Sie geschultes IT-Personal.

  • H√∂herer Aufwand
    Bei einem On-Premise-Modell muss der Nutzer mit einem h√∂heren Aufwand rechnen, da er sich selbst um die Installation, die Absicherung, Aktualisierung und Instandhaltung der SIP Telefonanlage k√ľmmern muss. Zudem muss sich der Nutzer um eine sorgf√§ltige Auswahl des Internetanbieters und der Routing- und Firewall-Ausr√ľstung k√ľmmern, da ansonsten gegebenenfalls Komplikationen mit Routern und Firewalls der Internetanbieter auftreten k√∂nnen. So kann es beispielsweise vorkommen, dass die Router/Firewalls nicht den Anforderungen des SIP-Protokolls entsprechen.

  • H√§ufig keine richtige Skalierbarkeit
    Viele Anbieter einer On-Premise-L√∂sung bieten keine richtige Skalierbarkeit, sodass die Nutzer gezwungen sind, eine umfangreiche Erweiterung mit einer aufwendigen Aufr√ľstung durchf√ľhren zu lassen.

6.3 Definition: On-Demand

Bei einer On-Demand L√∂sung wird die Telefonanlage im Gegensatz zu einer On-Premise-L√∂sung nicht im eigenen Unternehmen installiert, sondern in einem Rechenzentrum des VoIP-Anbieters gehostet. In den Gesch√§ftsr√§umen steht also keine physische Telefonanlage mehr, sondern dem Nutzer werden alle Funktionalit√§ten der TK-Anlage √ľber das Internet in der Public Cloud zur Verf√ľgung gestellt. Man spricht deshalb auch h√§ufig von einer virtuellen Telefonanlage.

6.4 Zusammenfassung

Ob f√ľr Sie nun eine On-Premise oder eine On-Demand L√∂sung geeigneter ist, h√§ngt letztendlich von Ihren individuellen Bed√ľrfnissen ab. Beziehen Sie in Ihre √úberlegung unbedingt Faktoren wie die Netzwerksituation und die Kosten-/Nutzen-Frage mit ein. Wenn Sie auf die vollst√§ndige Kontrolle der IP-Telefonanlage bestehen und sich selbst um die Instandhaltung der Anlage k√ľmmern m√∂chten, ist eine bei Ihnen vor Ort installierte Telefonanlage (On-Premise) vermutlich die richtige Wahl f√ľr Sie.

Gerade f√ľr Startups und Kleine- und Mittelst√§ndische Unternehmen empfiehlt es sich aber auf eine Cloud-Telefonanlage zu setzen, da hierbei keine Investitionen in Hardware anfallen und sie von einer h√∂chstm√∂glichen Flexibilit√§t profitieren. Sie brauchen sich um nichts k√ľmmern, denn der Provider k√ľmmert sich um den Betrieb, die Wartung und anfallende Updates Ihrer TK-Anlage. Und das vollkommen kostenlos. So bleibt Ihre Telefonanlage immer auf dem technisch neuesten Stand.

Achten Sie aber unbedingt auf eine ausreichende Breitband-Internetverbindung, da diese f√ľr die reibungslose Nutzung der VoIP Telefonanlage unerl√§sslich ist.

7. FAQ

7. FAQ

1. K√∂nnen klassische analoge oder ISDN-Telefone f√ľr die Internettelefonie verwendet werden?
Ja, das ist meist m√∂glich. Hierf√ľr werden aber ein entsprechender Analog-Telefon-Adapter (ATA) oder ein ISDN-Telefon-Adapter (ITA) ben√∂tigt. Dieser Adapter wird an den Router angeschlossen und kann dadurch eine Verbindung mit dem Internet herstellen.

2. Was unterscheidet IP-Telefone von herkömmlichen Telefonen?
IP-Telefone (Tischtelefone, DECT-Telefone oder WLAN-Telefone) sehen herk√∂mmlichen Telefonen sehr √§hnlich. Im Gegensatz zu den Standard-Telefonen verf√ľgen Sie aber √ľber einen Netzwerkanschluss, sodass sie direkt eine Verbindung mit dem Internet herstellen k√∂nnen. Au√üerdem verf√ľgen sie nicht selten √ľber ein deutlich gr√∂√üeres Display mit integrierter Kamera.

3. Kann ich mein Faxgerät an einer IP-Telefonanlage weiterhin nutzen?
Ja das ist m√∂glich. Zwar kommunizieren analoge Faxger√§te √ľber eine andere Sprache als IP-Telefonanlagen, aber √ľber ein VoIP Gateway, der das T.38 Protokoll unterst√ľtzt, sind Sie in der Lage, Ihre analogen Faxger√§te in das IP-Telefonsystem zu integrieren und Ihre Faxe zu versenden. Wie die Integration genau funktioniert, erfahren Sie in unserer Online-Hilfe.

4. Welche Bandbreite beansprucht ein Telefonat mittels VoIP?
F√ľr das F√ľhren von Gespr√§chen per Internettelefonie gilt ein Richtwert von 100 kbit/s in Sende- und Empfangsrichtung pro Sprachkanal. Wie Sie die ben√∂tigte Bandbreite berechnen und den Sprachverkehr priorisieren k√∂nnen, erfahren Sie in unserem VoIP-Bandbreiten-Ratgeber.

5. Was bedeutet Voice over IP?
Bei Voice over IP, auch IP-Telefonie oder Internettelefonie genannt, werden die Sprachdaten im Gegensatz zur analogen- und ISDN-Telefonie nicht mehr l√§nger √ľber das klassische Telefonnetz (PSTN), sondern √ľber Computernetzwerke, die auf Internet-Standards basieren, √ľbertragen.

6. Was ist Software on Demand?
Software on Demand bedeutet, dass der Nutzer die Software nicht bei sich im eigenen Unternehmen installiert hat, sondern dass sie außerhalb des Unternehmens betrieben wird. Der Kunde zahlt bei diesem Modell nach Verbrauch und Zeit.

7. Was bedeutet SaaS?
SaaS steht f√ľr Software as a Service. Bei diesem Modell bezieht der Nutzer die Software √ľber einen Provider im Internet. Die Verantwortung f√ľr den Betrieb, die Wartung und anfallenden Updates der Software liegt bei diesem Modell beim Dienstleister.

8. Was ist Cloud Computing?
Beim Cloud Computing wird dem Nutzer die Software √ľber einen externen Anbieter zur Verf√ľgung gestellt. Er mietet die Software und ruft diese √ľber einen Internet-Browser auf. Dem Kunden entstehen bei diesem Modell keinerlei Kosten f√ľr Hardware, IT-Infrastruktur oder Personal.

9. Was bedeutet SIP?
SIP (kurz f√ľr Session Initiation Protocol) ist ein Netzwerkprotokoll mit dem Kommunikationssitzungen zwischen zwei und mehr Gespr√§chsteilnehmern aufgebaut, gesteuert und beendet werden k√∂nnen.

10. Was passiert, wenn ich mich f√ľr SIP-Trunking entscheide? Muss ich dann auf ISDN verzichten?
Nein. Sie m√ľssen nicht auf ISDN verzichten. Mit Hybrid-L√∂sungen ist es m√∂glich, sowohl von den Vorteilen von SIP als auch von ISDN zu profitieren. Dadurch k√∂nnen Sie nicht nur Kostenvorteile realisieren, sondern profitieren zudem von einer besseren Erreichbarkeit.