Der neue Telefon-Standard VoIP erfreut sich zunehmender Beliebtheit und immer mehr Unternehmen steigen auf Cloud-Telefonanlagen um. Kein Wunder: Sie sind flexibel, bieten einen enormen Funktionsumfang und sind deutlich günstiger als herkömmliche ISDN-Telefonanlagen. Damit der Wechsel in die Cloud jedoch gelingt, muss eine Grundvoraussetzung erfüllt sein: Es muss eine ausreichende VoIP-Bandbreite vorliegen. Worauf Sie bei Ihrem Internetanschluss achten müssen und wie Sie die benötigte VoIP Bandbreite berechnen, erfahren Sie in diesem Artikel.

1. Benötigte Bandbreite für VoIP-Telefonie

1. Benötigte Bandbreite für die VoIP-Telefonie

Die Frage “Wie viel Bandbreite für VoIP benötigt wird?”, bekommen wir bei Placetel häufig zu hören. So pauschal kann sie jedoch nicht beantwortet werden, da hier mehrere Faktoren wie das Nutzungsverhalten, die Mitarbeiteranzahl und die Anzahl der parallel geführten Telefonate eine Rolle spielen. Als Richtwert, um eine gute Sprachqualität zu gewährleisten, gilt eine VoIP-Bandbreite von 100 kBit/s pro Gespräch (im Up- und Download).

Um das erforderliche VoIP-Datenvolumen für Ihren Betrieb zu definieren, sollten Sie in einem ersten Schritt analysieren, wie viele Telefonate gleichzeitig geführt werden könnten. Kurzum: Wie viele Mitarbeiter zur selben Zeit telefonieren. Bei einem Unternehmen mit 10 Mitarbeitern wäre die benötigte VoIP-Bandbreite dabei 1000 kbit/s im Up- und Download.

Des Weiteren müssen Sie beachten, dass Sie neben der Bandbreite für die Internettelefonie weitere Bandbreite für die normale Internetnutzung von Computern und weiteren im Netzwerk angemeldeten Geräten benötigen. Diese ist von der Art der Nutzung abhängig und kann sehr stark variieren, wird die benötigte Bandbreite eines VoIP-Gesprächs in den meisten Fällen jedoch deutlich übersteigen. Das Schauen von YouTube-Videos oder das Empfangen und Versenden großer Dateien benötigt selbstverständlich sehr viel mehr Bandbreite als einfaches Surfen, Chatten oder Online-Radio zu hören. Es empfiehlt sich daher immer mehr als die erforderliche VoIP Mindestbandbreite zur Verfügung zu haben und über eine separate Internetleitung für den Sprach- und eine für den restlichen Internetverkehr nachzudenken.

Benötigte VoIP-Bandbreite für 10 Mitarbeiter

Für dieses Beispiel könnte man also zu dem Schluss gelangen, dass für die VoIP-Telefonie in der Theorie alleine (ohne weitere Internetnutzung) eine 1 Mbit DSL-Internetleitung (DSL 1000) ausreichend sein müsste. So knapp sollte man allerdings nie kalkulieren, denn die meisten DSL-Anbieter versprechen bei den Internetgeschwindigkeiten mehr, als sie halten können. Bedeutet also konkret, dass es sich bei den angegebenen Werten immer um Höchstwerte handelt, die in der Realität oft aber gar nicht erreicht werden und viel niedriger ausfallen. Außerdem gilt DSL 1000 als Schmalspur-Lösung und ist mittlerweile bei den großen Providern schon gar nicht mehr verfügbar. Eine konkrete Empfehlung bzgl. der benötigten Bandbreite für 5 und 10 Mitarbeiter erhalten Sie unter Punkt 2. Es gilt nämlich auch noch zu berücksichtigen, ob es sich um einen ADSL oder einen SDSL-Anschluss handelt.

Die wichtigsten Schritte kurz zusammengefasst:

  1. Anzahl der Mitarbeiter bzw. maximale Anzahl der parallel geführten Gespräche bestimmen.
  2. Internet-Nutzung einschätzen.
  3. Aktuelle Bandbreite mit einem Speedtest überprüfen.
  4. Klären, ob ein ADSL- oder ein SDSL-Anschluss vorliegt.
  5. Überlegen, ob eine separate Internetleitung für die VoIP-Telefonie sinnvoll ist.
2. Unterschied zwischen ADSL und SDSL

2. Unterschied ADSL und SDSL

Während die Up- und Downloadgeschwindigkeiten bei SDSL-Anschlüssen (Symmetric Digital Subscriber Line) identisch sind, weisen sie bei ADSL-Anschlüssen (Asymmetric Digital Subscriber Line) gravierende Unterschiede auf. So kommt es bei Letzterem zu deutlich niedrigeren VoIP Bandbreiten im Upstream.

Nehmen wir unser Beispiel mit den 10 Mitarbeitern, müssten 1000 kbit/s allein für die VoIP-Telefonie (also ohne weitere Bandbreite für die normale Internetnutzung) eingerechnet werden. Im Downstream liegen diese bei einem DSL 1000 Anschluss auch vor. Im Upstream erreicht derselbe ADSL-Anschluss jedoch gerade mal maximal 128 kbit/s. Aufgrund der sehr viel geringeren VoIP Bandbreite beim Upload, wird die Anzahl der Gespräche, die parallel geführt werden können, deutlich begrenzt. Das hat zur Folge, dass bei einem ADSL 1000 Anschluss gerade mal ein VoIP-Gespräch geführt werden kann.

Damit 10 Mitarbeiter gleichzeitig telefonieren können, bräuchte man nach dieser Rechnung einen ADSL 16000 Anschluss (1024 kbit/s im Upload), zzgl. der Bandbreite, die für die weitere Internetnutzung anfällt. Letzteres sollte in keinem Fall unterschätzt werden. Wenn Sie dieselbe Internetleitung für den Sprach- und den restlichen Internetverkehr verwenden, ist eine 16 Mbit ADSL-Leitung mit etwa 1 Mbit für Uploads bei 10 Mitarbeitern viel zu gering und es kann zu Problemen mit der Sprachqualität kommen. Zudem ist wie bereits erwähnt, noch wichtig zu wissen, dass es sich bei den Geschwindigkeits-Angaben der DSL-Anbieter immer um „bis zu“- Werte handelt. In der Praxis fallen diese Werte jedoch meist geringer aus, weshalb wir empfehlen, eher einen höheren Tarif zu wählen als die ganze Zeit mit zu geringer Bandbreite zu telefonieren. Bei den folgenden Beispielen handelt es sich um ADSL-Anschlüsse.

Rechenbeispiel für 5 Mitarbeiter

5 Mitarbeiter/ Sprachkanäle x 100 kbit/s = 500 kbit/s + Bandbreite für 5 Arbeitsrechner
(Empfohlener Anschluss bei ausschließlicher Nutzung von VoIP: DSL 16000)
(Empfohlener Anschluss bei VoIP-Telefonie + weitere Internetaktivitäten: DSL 50.000)

Rechenbeispiel für 10 Mitarbeiter

10 Mitarbeiter/Sprachkanäle x 100 kbit/s = 1000 kbit/s + Bandbreite für 10 Arbeitsrechner
(Empfohlener Anschluss bei ausschließlicher Nutzung von VoIP: DSL 25000)
(Empfohlener Anschluss bei VoIP-Telefonie + weitere Internetaktivitäten: DSL 50.000)

Früher wurden Unternehmen hinsichtlich Ihres VoIP-Bandbreiten Bedarfs in der Regel SDSL-Anschlüsse empfohlen, da die Übertragungsraten von ADSL im Upload zu niedrig waren und es zu Problemen mit der Sprachqualität kommen konnte. Heute sind mit ADSL-Anschlüssen jedoch große Übertragungsraten mit z.B. 100 Mbit/s im Download und 40 Mbit/s im Upload möglich, die die Übertragungsraten von SDSL-Anschlüssen meist übersteigen und darüber hinaus preiswerter sind.

Aufgrund der höheren Kosten und der geringeren Bandbreite, die SDSL im Vergleich zu ADSL bietet, ist ein SDSL-Anschluss im Prinzip nur noch für Unternehmenskunden interessant, die im Rahmen von Service Level Agreements z.B. eine bestimmte Bandbreite, garantierte Verfügbarkeit oder schnellere Reaktionszeiten zugesichert bekommen möchten.

3. Mit Quality of Service (QoS) die Bandbreite steuern

3. Mit Quality of Service die Bandbreite steuern

Wie bereits erwähnt, fällt nicht nur Bandbreite für die VoIP-Telefonie, sondern auch für weitere Aktivitäten im Internet an (Surfen, E-Mails, Videos ect.). Außer einen gewissen Bandbreitenpuffer einzuplanen, können Sie zudem für die Priorisierung des Sprachverkehrs im Netzwerk selbst sorgen, indem sie Quality of Service (QoS) aktivieren. Moderne Router wie z.B. die Fritzbox verfügen über diese Einstellungsmöglichkeit.

Beim Quality of Service (QoS) werden Ihre VoIP-Gespräche (sowohl eingehend als auch ausgehend) vor anderen Aktivitäten, die VoIP Bandbreite benötigen, bevorzugt. Dadurch hat die Sprachqualität immer Vorrang vor z.B. der Qualität von abgespielten Videos oder auch vor Down- oder Upload-Raten von Dateien.

Bessere Sprachqualität dank Fritzbox-Einstellung

Mithilfe der FRITZ!Box kann festgelegt werden, welche Netwerkgeräte und -anwendungen beim Zugriff auf die Internetverbindung priorisiert bzw. hinten an gestellt werden. Für die Priorisierung stehen drei Kategorien zur Auswahl:

  1. Echtzeitanwendungen
  2. Priorisierte Anwendungen
  3. Hintergrundanwendungen

Die Kategorie „Echtzeitanwendung“ wird für Anwendungen eingesetzt, die besonders hohe Anforderungen an die Übertragungsrate und Reaktionszeit stellen, wie z.B. die VoIP-Telefonie. Wie die Priorisierungen in der FRITZ!Box eingestellt werden können, erfahren Sie hier.

4. Häufige Fragen (FAQ)

4. Häufige Fragen (FAQ)

1. Was passiert, wenn die VoIP-Bandbreite kurzzeitig nicht ausreicht?
Liegt während des Telefonats kurzzeitig eine zu geringe Bandbreite für VoIP vor, wird das laufende Gespräch nicht automatisch abgebrochen. Allerdings wird das zu geringe VoIP-Datenvolumen zur Beeinträchtigung der Sprachqualität führen, was sich schnell bemerkbar macht: Gesprächsverzögerungen- und Verzerrungen sind die Folge.

2. Wie finde ich raus, wie viel Bandbreite mein Internetanschluss hat?
Um die Bandbreite Ihres Anschlusses zu überprüfen, eignen sich verschiedene Tools wie z.B. :

Wichtig für die Messung ist, den Anschluss an verschiedenen Arbeitsplätzen im Unternehmen zu überprüfen.

3. Wie kann ich meine Bandbreite erhöhen bzw. meine DSL-Geschwindigkeit verbessern?
Kontaktieren Sie zunächst Ihren Provider (z.B. Telekom, o2, 1&1 ect.) und bringen Sie in Erfahrung, ob Sie momentan die maximale DSL-Geschwindigkeit empfangen. Je nach Anbieter ist es ganz einfach möglich, auf eine höhere Geschwindigkeit upzugraden. Was Sie sonst noch für eine höhere Geschwindigkeit machen können, erfahren Sie im Artikel: “Tipps zur Verbesserung der DSL-Geschwindigkeit.”

4. Warum ist meine Internetgeschwindigkeit viel langsamer als erwartet?
Bei den angegebenen Werten der Internet-Anbieter handelt es sich um absolute Obergrenzen, die in der Realität nur selten erreicht werden. Einbußen kommen zum Beispiel durch eine ungünstige Infrastruktur oder durch veraltete Hardware, die nicht die volle Leistung nutzen kann, zustande. Bis zu einem gewissen Grad müssen diese Geschwindigkeitseinbußen auch toleriert werden. Wird bei einem 16 Mbit/s - Anschluss jedoch die 6000 kbit/s-Grenze unterschritten, muss das nicht akzeptiert werden, da das bereits der Leistung eines günstigeren Tarifs entspricht. Lesen Sie in diesem DSL-Ratgeber nach, wann ein Recht auf Nachbesserung besteht.

5. Weiterführende Links