Seit dem Aufkommen von VoIP hat das Thema SprachqualitĂ€t in der Telefonie deutlich an Bedeutung gewonnen. Es gibt mitunter starke Unterschiede in der SprachqualitĂ€t, die aber in den seltensten FĂ€llen durch den VoIP-Anbieter selbst verschuldet werden. Welche Ursachen fĂŒr QualitĂ€tsunterschiede verantwortlich sind und wie Sie die Fehlerquellen ausfindig machen können, erfahren Sie in diesem Artikel.

1. Telefonieren ĂŒbers Fest-und Mobilfunknetz

1. Telefonieren ĂŒbers Fest- und Mobilfunknetz

Vor der EinfĂŒhrung von VoIP spielte das Thema SprachqualitĂ€t in der Telefonie eine deutlich geringere Rolle. Bei der Festnetztelefonie unterscheidet man nur zwischen der KlangqualitĂ€t bei GesprĂ€chen ĂŒber

1. analoge FestnetzanschlĂŒsse
2. digitale (ISDN) FestnetzanschlĂŒsse

Hierbei liefert der Anbieter die Sprache ĂŒber unterirdisch liegende Leitungen, die nach heutigen MaßstĂ€ben eher selten von Störungen betroffen sind. Der Nutzer verfĂŒgt zudem ĂŒber ein Telefon, auf dem die Sprache ausgegeben wird.

Diese Infrastruktur wurde etwas spĂ€ter um die Mobilfunktelefonie erweitert. Auch hier liefert der Anbieter die Sprache, jedoch ĂŒber ein Mobilfunknetz. Zudem benötigt der Nutzer fĂŒr das Senden und Empfangen des Sprachverkehrs ein Mobiltelefon. Die gesteigerte KomplexitĂ€t von Mobilfunknetzen gegenĂŒber Festnetzen sorgte jedoch fĂŒr die ersten deutlichen Unterschiede in der SprachqualitĂ€t.

Mann beim Telefonieren.

Bei Mobilfunk-GesprĂ€chen steht und fĂ€llt die SprachqualitĂ€t mit dem Ort an dem telefoniert wird. Je nach rĂ€umlicher Position ist ein “schlechter Empfang” bzw. sogar ein GesprĂ€chsabbruch möglich, d.h. die Mobilfunksignale kommen unvollstĂ€ndig oder gar nicht beim Mobiltelefon an. Das liegt entweder an Orten, die nur schlecht oder auch gar nicht vom Mobilfunknetz abgedeckt werden oder aber auch an defekten Sendemasten, die die Signale nicht mehr korrekt an die entsprechenden Ziele senden.

2. SprachqualitÀt bei der VoIP-Telefonie

2. SprachqualitÀt bei der VoIP-Telefonie

Bei der IP-basierten Telefonie ist die KomplexitĂ€t im Gegensatz zur Festnetz- und Mobilfunktelefonie deutlich grĂ¶ĂŸer. Fragt man Nutzer einer VoIP-Telefonanlage, was sie sich fĂŒr ihre Telefonie wĂŒnschen, so ist eine der hĂ€ufigsten Antworten eine gleichbleibende SprachqualitĂ€t. Viele Nutzer haben die Erfahrung gemacht, dass diese mitunter stark variiert, von HD-QualitĂ€t bis hin zu verzerrten KlĂ€ngen, GesprĂ€chsaussetzern und sogar GesprĂ€chsabbrĂŒchen. Doch woran liegt das?

2.1 Ursachen fĂŒr QualitĂ€tsunterschiede

2.1 Ursachen fĂŒr QualitĂ€tsunterschiede beim Telefonieren

Der Hauptgrund fĂŒr Telefonieprobleme liegt meist nicht beim Provider selbst - es sei denn es liegt eine Störung seiner Systeme vor - sondern an der fĂŒr die Telefonie genutzten Infrastruktur des Anwenders.

Ein IP-GerĂ€t kann beispielsweise ĂŒber das LAN (IP-Tischtelefon, analoges Telefon ĂŒber ATA, Desktop-Softphone), WLAN (Laptop-Softphone, DECT IP-Telefon, App auf dem Smartphone) oder auch ĂŒber das mobile Datennetz des Anwenders genutzt werden. Jeder dieser Zugangspunkte kommt als potenzielle Fehlerquelle infrage, wenn die Telefonie gestört ist.

Mögliche Fehlerquellen:

  • Die Verkabelung im LAN ist fehlerhaft
  • Eine Firewallregel fehlt
  • Die SignalstĂ€rke im WLAN ist zu gering
  • Die DECT-Basis ist zu weit entfernt
  • Das mobile Datennetz wird nicht empfangen

GrundsĂ€tzlich sind alle verwendeten Netzwerkkomponenten miteinzubeziehen, denn diese haben großen Einfluss auf Störfaktoren wie Latenz (Verzögerung), Jitter oder Paketverlust. Die hĂ€ufigste Ursache fĂŒr schlechte SprachqualitĂ€t stellt jedoch eine unzureichende Bandbreite dar.

3. Wie kann die SprachqualitÀt verbessert werden?

3. Wie kann die SprachqualitÀt verbessert werden?

Ausreichende Bandbreite

FĂŒr die GewĂ€hrleistung einer guten SprachqualitĂ€t empfehlen wir bei Placetel eine separate Internetleitung fĂŒr den Sprach- und eine fĂŒr den restlichen Internetverkehr. Die benötigte Bandbreite fĂŒr ein gefĂŒhrtes Telefonat betrĂ€gt dabei 100 kbit/s im Up- und Download (gleichzeitig). Wenn also eine separate Internetverbindung fĂŒr den Sprachverkehr zur VerfĂŒgung steht, sollte diese pro Mitarbeiter 100 kbit/s im Up- und Download (gleichzeitig) bereitstellen können. Bei einem Unternehmen mit 10 Mitarbeitern wĂ€re die benötigte Bandbreite dabei 1000 kbit/s im Up- und Download, was einer 1MB SDSL Internetleitung entsprĂ€che.

Aufgrund der benötigten Bandbreite fĂŒr Uploads eignen sich SDSL-Leitungen besser fĂŒr die VoIP-Telefonie als ADSL Leitungen, da sich deren Downloadraten deutlich von den Uploadraten unterscheiden. Mit einer 16 MB ADSL Leitung wĂ€re fĂŒr unser Beispiel mit 10 Mitarbeitern zwar genĂŒgend Bandbreite im Download verfĂŒgbar, aber nur 1 MB fĂŒr Uploads, was zu gering ist und zu Problemen mit der SprachqualitĂ€t fĂŒhren kann.

Wird nur eine einzige Leitung fĂŒr Sprache und alle anderen Internetverkehre genutzt, so muss zusĂ€tzlich zu der pro Telefon benötigten Bandbreite noch weitere Bandbreite fĂŒr jedes an das Netzwerk angeschlossene GerĂ€t bereitgestellt werden. Bei 10 Mitarbeitern wĂ€ren das ca. 1 MB/s fĂŒr die Telefonie und je nach Art der Nutzung mindestens weitere 100 kbit/s pro Rechner. Das entspricht insgesamt einem benötigten Anschluss von mindestens 2 MB/s im Up- und Download (gleichzeitig) oder auch 2 MB SDSL. Bei bandbreitenintensiven TĂ€tigkeiten wie das Schauen von YouTube-Videos, das Versenden oder Empfangen großer Dateien und Ă€hnlichen VorgĂ€ngen kann es trotz eingeplantem Bandbreitenpuffer zu Problemen mit der SprachqualitĂ€t kommen. Daher ist es grundsĂ€tzlich ratsam, mehr als das Minimum an Bandbreite zur VerfĂŒgung zu haben.

Mit dem fortschreitenden Ausbau des Breitband- und Glasfasernetzes verliert dieser Punkt jedoch zunehmend an Bedeutung. Denn mittlerweile verfĂŒgen laut dem Digital-Branchenverband Bitkom derzeit ca. 90 Prozent aller Haushalte in der Stadt und den Ballungsgebieten ĂŒber schnelle Internetverbindungen mit 50 Mbit pro Sekunde. In allen deutschen Haushalten sind die Übertragungsraten von 50 Mbit/s in 75% der FĂ€lle erreicht. Nutzer im lĂ€ndlichen Raum mĂŒssen sich derweilen noch mit etwas geringeren Geschwindigkeiten zufriedengeben. Jedoch hat Bundeskanzlerin Angela Merkel angekĂŒndigt, bis Ende 2018 jeden Haushalt in Deutschland mit 50 Megabit pro Sekunde zu versorgen.

Priorisierung des Sprachverkehrs

Ein weiterer Lösungsansatz bei der Verwendung von nur einer Leitung fĂŒr jeglichen Internetverkehr ist die Priorisierung des Sprachverkehrs vor anderen TĂ€tigkeiten. Beim sogenannten Quality of Service (QoS) werden alle Sprachpakete, ob eingehend oder ausgehend, immer priorisiert behandelt, sodass die SprachqualitĂ€t immer Vorrang vor beispielsweise der QualitĂ€t von abgespielten Videos oder auch Down- oder Upload-Raten von Dateien hat.

Bei Verwendung einer App ĂŒber das mobile Datennetz ist zwar meistens genĂŒgend Bandbreite verfĂŒgbar, die StabilitĂ€t des Signals und damit der Verbindung ist jedoch nicht konstant, was zu teils erheblichen Einbußen in der SprachqualitĂ€t fĂŒhrt.

4. Verfahren zur Messung der SprachqualitÀt

4. Verfahren zur Messung der SprachqualitÀt

Benutzer von IP-Telefonie-Systemen können auf eine handvoll nĂŒtzlicher Werkzeuge zurĂŒckgreifen, die bei einer Fehleranalyse nĂŒtzlich sind:

  • ÜberprĂŒfung der tatsĂ€chlichen KlangqualitĂ€t mit einem Echo-Test, wie bspw. dem Placetel Echo-Test
  • ÜberprĂŒfung einer evtl. vorliegenden Störung beim Internetprovider, z.B. mit dem iMonitor von Heise
  • Testen der am Standort zur VerfĂŒgung stehenden Bandbreite mit z.B dem Bandbreiten-Rechner von Heise oder dem LTE-Speedtest von wieistmeineip.de bei mobilen Netzen.
  • ÜberprĂŒfung der Erreichbarkeit des Rechners/GerĂ€tes mittels Ping anhand des Heise online Ping Tools
  • Analyse des Netzwerks mit z.B. Netalyzr (via Heise Online)
  • Nutzung weiterer Netzwerk-Tools auf Heise Online

FĂŒr Netzwerk-Administratoren oder Anwender mit fortgeschrittenem Wissen im Netzwerkbereich empfiehlt sich zudem ein Blick auf die Seite voiptroubleshooter.com, die ebenfalls viele nĂŒtzliche Werkzeuge und Dienste bereitstellt.

5. WeiterfĂŒhrende Links

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