Telefonanlagen Handbuch
1
Theorie & Markt
2
Cloud-Telefonanlage im Detail
3
Fehler & H√ľrden
4
Auswahl & Wechsel

Evolution der Telefonanlage

Geschichte der Telefonie: Wie alles begann

Die Geschichte der Telefonanlage reicht bereits etwa 100 Jahre zur√ľck, doch die Anf√§nge der Telefonie gehen noch sehr viel weiter. Mit diesem Ratgeber nehmen wir Sie mit auf eine Reise in die Vergangenheit und schauen uns an, wie sich alles entwickelt hat und wo wir heute stehen.

Die Telefonie ist heute sowohl im privaten Bereich als auch in der Unter­nehmens­kommunikation nicht mehr wegzudenken. Als bedeutende Entwicklungs­schritte der Fernsprech√ľbertragung gelten:

  • die analoge Telefonie
  • die ISDN-Telefonie
  • die IP-Telefonie

Wie alles anfing: Analoge Telefonie

Der Anfang der Telefonie geht auf das Jahr 1861 zur√ľck. In diesem Jahr baute Johann Philipp Reis als erster eine funktionierende, elektrische Fernsprechverbindung auf. 1971 konnten zum ersten Mal mehr Telefongespr√§che (11,7 Milliarden) als Briefsendungen (11,5 Milliarden) in Westdeutschland verzeichnet werden.

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10 Jahre später meldete Alexander Graham Bell das erste Telefon in den USA zum Patent an. Im selben Jahr entstanden die ersten öffentlichen Telefonnetze, unter anderem auch in Berlin und die erste Telefonzelle wurde in Betrieb genommen.

Die ersten analogen Telefonanlagen

© Clarini - stock.adobe.com

Die fr√ľhen Telefonanlagen der 1930er Jahre waren noch auf das manuelle St√∂pseln durch einen Telefonisten bzw. das ‚ÄúFr√§ulein vom Amt‚ÄĚ angewiesen, um interne oder externe Verbindungen aufzubauen. Die Verbindung zwischen zwei Fernsprechteilnehmern wurde entsprechend manuell durch Vermittlungspersonal hergestellt, das vor einem Klappenschrank oder einem Gl√ľhlampenschrank sa√ü. Jeder Teilnehmer hatte eine Anschlussbuchse auf dem Klappschrank, an die der St√∂psel gesteckt werden musste, um eine Verbindung aufbauen zu k√∂nnen.

ūüí°Interessant:
Die Verbindung in eine andere Stadt war sogar mit einem mehrstufigen Verfahren verbunden. Mit der Floskel ‚ÄúJetzt kommt ein Gespr√§ch f√ľr Sie‚ÄĚ wurde das Gespr√§ch beim Empf√§nger angek√ľndigt.

Noch bis zum Ende der 1970er Jahre waren Telefonanlagen mechanisch, in offener Gestellbauweise aufgebaut. Danach wurden Metallschr√§nke verwendet. Bei den mechanischen Telefonanlagen √ľbernahmen elektromagnetisch angetriebene Stufenschalter die Vermittlung von Telefonaten zwischen zwei Teilnehmern. Hauptbestandteil der Telefonanlage waren Drehw√§hler und Hebdrehw√§hler, die verschiedene Aufgaben besa√üen (Anrufsucher, Gruppenw√§hler, Leitungsw√§hler) sowie Teilnehmerschaltungen, Amts√ľbertragungen oder Vermittlungspl√§tze.

Analoge Telefonanlage in K√ľrze

  • Es stehen max. zwei Telefonleitungen zur Verf√ľgung
  • Erm√∂glicht jeweils nur eine Sprach- oder Datenverbindung
  • Die Abwicklung paralleler Gespr√§che oder die simultane Nutzung von Telefonen, Fax oder Modem ist nicht m√∂glich 
  • Anbindung von bis zu 8 Nebenstellen pro Telefonanlage 
  • Alle Telefonger√§te haben dieselbe Telefonnummer 
  • St√∂ranf√§lligere Signal√ľbertragung, wodurch die Gespr√§chsqualit√§t eher beeintr√§chtigt werden kann.
  • Resistent gegen Stromausfall (Strom stammt von der Vermittlungsstelle, die ein Notstromaggregat besitzt.) 

Fr√ľher waren analoge Telefonanlagen weit verbreitet, heute sind sie jedoch nicht mehr zeitgem√§√ü.

ISDN: Die Telefonie wird digital 

Die Digitalisierung des 100 Jahre alten analogen Telefonnetzes war ein Meilenstein in der Geschichte der Telefonie und ein riesiges Investitionsprojekt. Die Entscheidung daf√ľr wurde in der Bundesrepublik Deutschland 1979 von der Deutschen Bundespost getroffen.

1982 entschied sie sich f√ľr die ISDN-Technik und die Umsetzungspl√§ne wurden konkretisiert. Durch die Umstellung auf ISDN konnten die Leitungen nun endlich f√ľr mehrere Dienste parallel genutzt werden. Dadurch war es m√∂glich, w√§hrend eines Telefongespr√§ches nebenbei noch ein Fax zu versenden oder zu surfen.

Nach zwei Pilotprojekten in Stuttgart und Mannheim begann 1989 der offizielle Betrieb von ISDN. 1995 war die Digitalisierung so weit abgeschlossen, dass ISDN fl√§chendeckend zur Verf√ľgung stand. Zwei Jahre sp√§ter war die vollst√§ndige Digitalisierung des Telefonnetzes abgeschlossen.

ISDN-Telefonanlage in K√ľrze

Der Einzug der ISDN-Telefonanlage in den 90er Jahren markierte den ersten Schritt der Digitalisierung der Telekommunikation und brachte einige Neuerungen mit sich.

  • Gespr√§che werden digital √ľbertragen 
  • Zwei simultan verf√ľgbare Sprachkan√§le, die das gleichzeitige Telefonieren zweier Teilnehmer erm√∂glichen oder das parallele Telefonieren und Surfen im Internet 
  • H√∂here √úbertragungsqualit√§t f√ľr Sprachanrufe 
  • Zuweisung von bis zu zehn individuellen Rufnummern an einzelnen Nebenstellen 
  • Gr√∂√üerer Funktionsumfang  
  • Erweiterung der Telefonanlage mithilfe eines Prim√§rmultiplexanschlusses auf bis zu 30 Sprachkan√§le je Anschluss 

Durch die ISDN-Abschaltung sind auch ISDN-Telefonanlagen mittlerweile √ľberholt und wurden gr√∂√ütenteils durch moderne VoIP-Telefonanlagen ersetzt.

VoIP-Telefonie: Der neue Standard in der Telekommunikation

Bereits im Jahr 1995 kam das Thema der Internettelefonie auf, war jedoch damals noch nicht massentauglich, denn die damalige Infrastruktur war zu diesem Zeitpunkt nicht f√ľr eine Echtzeit-Anwendung wie VoIP ausgelegt. Zudem fehlte es noch an einheitlichen technischen Standards. Mit der Verbreitung von DSL-Anschl√ľssen wurde der Weg f√ľr die VoIP-Technologie geebnet, die durch die leistungsf√§higere Breitband-Leitung nun realisiert werden konnte. In Deutschland stellte sich der VoIP-Umbruch im Jahre 2004 und 2005 ein.

Seit der Jahrtausendwende kommen nun immer mehr IP-basierte Telefonie-L√∂sungen zum Einsatz. Grund daf√ľr sind zum einen zahlreiche Vorteile, die die IP-Telefonie bietet und zum anderen die ISDN-Abschaltung der Telekom.

Diese Entwicklung macht den traditionellen Telefonanschluss nunmehr komplett √ľberfl√ľssig, da VoIP-Telefonanlagen ihre Kommunikation mittels Internetprotokoll (IP) √ľber das Internet abwickeln. Wichtige Informationen wie Sprache und Daten werden als kleine Datenpakete √ľber ein Datennetz √ľbertragen. Ein Gespr√§ch wird nur noch kurz vor dem Festnetzanschluss des Empf√§ngers ins Festnetz eingespeist, der Rest der Telefonie geschieht √ľber das Internet.

VoIP-Telefonanlage in K√ľrze

  • Realisierung von mehr Sprachverbindungen als bei ISDN
  • H√∂herer Einrichtungsaufwand als bei Cloud-Telefonanlagen aufgrund der lokalen Installation
  • Gute Sprachqualit√§t
  • Beschr√§nkte, aber gute Erweiterbarkeit
  • G√ľnstigere Verbindungsentgelte
  • Beibehaltung der vollen Kontrolle √ľber die Infrastruktur & Datenspeicherung
  • Gr√∂√üerer Funktionsumfang als ISDN-Telefonanlage

Laut Statista nutzen im Jahr 2023 in Deutschland bereits 64% der Nutzer das Internet zum Telefonieren oder f√ľr Videoanrufe. In √Ėsterreich lag die Zahl mit 70,2% sogar noch etwas h√∂her.

ūüí°Wissenswert:
Cloud-Telefonanlagen entsprechen der neuesten Evolutionsstufe und wurden etwa 2004 in Deutschland eingef√ľhrt. Im n√§chsten Kapitel gehen wir im Detail auf Cloud-Telefonanlagen ein.

Bildquelle Header: ¬© alexkich ‚Äď stock.adobe.com

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