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KI-Tools für die Logistik

Welche Anwendungen Disposition und Kundenservice entlasten – und wo der Disponent unersetzlich bleibt

Von Sandra Plett
© Nina2024/peopleimages.com - stock.adobe.com

„Wo ist mein Lkw?“ – diese Frage hört jede Disposition mehrmals am Tag. Dazu kommen Rückfragen zu Lieferterminen, Anrufe von Fahrern, Zeitfensterabstimmungen mit Lagern und Kunden, die kurzfristig eine Abholung brauchen. Statusanfragen gelten als der häufigste Kundenkontakt einer Spedition.1

Gleichzeitig sind Disponenten knapp, Fahrer ohnehin. Wer am Telefon Statusauskünfte gibt, plant in dieser Zeit keine Touren. Und wer Frachtpapiere abtippt, kümmert sich nicht um die Lkw, die gerade an einer Rampe warten.

KI-Tools für die Logistik setzen genau hier an: nicht bei den Entscheidungen, für die es erfahrene Disponenten braucht, sondern bei den Routinen, die ihnen jeden Tag die Zeit dafür nehmen.

💡Das Wichtigste in Kürze

  • Jedes zweite Logistikunternehmen setzt bereits KI ein – vor allem in Planung und Disposition. Am Telefon und im Kundenservice bleibt ihr Potenzial dagegen oft noch ungenutzt.
  • Den schnellsten Effekt bringt ein KI-Telefonassistent, der Statusanfragen, Abholaufträge und Fahreranrufe annimmt, sortiert und das Wichtige an die Disposition gibt.
  • KI in TMS und Tourenplanung spart Zeit bei der Disposition, KI-Dokumentenerfassung beim Abtippen von Frachtpapieren und Lieferscheinen.

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Warum KI-Tools für die Logistik gerade jetzt relevant werden

KI ist in der Logistik angekommen: Laut einer repräsentativen Bitkom-Befragung unter 502 Logistikunternehmen setzen 51 Prozent bereits künstliche Intelligenz ein. 2022 waren es erst 22 Prozent.2 Weitere 22 Prozent planen den Einsatz.

Drei Entwicklungen machen das Thema für Speditionen und Logistikdienstleister gerade jetzt dringlich:

1. Der Fachkräftemangel trifft auch die Disposition. 87 Prozent der Logistikunternehmen nennen den Fachkräftemangel 2026 als Herausforderung, 55 Prozent sehen in KI ein Mittel dagegen.2 Fehlen nicht nur Fahrer, sondern auch Disponenten und Sachbearbeiter, lastet jede Routineaufgabe auf weniger Schultern.

2. Koordination frisst Zeit. Statusanfragen, Zeitfensterabstimmungen, Rückfragen zu Lieferterminen: Laut Transporeon verbringen Dispositionen oft Stunden damit, Statusaktualisierungen hinterherzulaufen und Anrufe mit der Frage nach dem Lkw zu beantworten. KI könne solche Routineanfragen übernehmen und Statusmeldungen automatisch weitergeben.3 Jede Stunde, die dort gespart wird, steht für Planung und Kundenbetreuung zur Verfügung.

3. Das Wissen fehlt noch. 54 Prozent der Logistikunternehmen sagen, ihnen fehle die Expertise, um KI sinnvoll in ihre Prozesse zu integrieren. Nur 8 Prozent schulen alle Beschäftigten im Umgang mit KI.2 Wer jetzt mit überschaubaren, gut eingrenzbaren Anwendungen startet, baut dieses Wissen Schritt für Schritt auf.

Gerade für kleinere Speditionen ohne eigene IT-Abteilung lohnt sich deshalb ein Einstieg dort, wo der Nutzen sofort sichtbar ist und kein großes Projekt nötig ist.

Was KI-Tools in der Logistik leisten können

Die Arbeit in einer Spedition oder bei einem Logistikdienstleister besteht aus vielen kleinen Entscheidungen und noch mehr Koordination: Welche Sendung fährt auf welcher Tour? Welcher Fahrer übernimmt? Passt das Zeitfenster an der Rampe? Und dazwischen klingelt das Telefon, landen Lieferscheine im Postfach, wollen Kunden wissen, wann ihre Ware ankommt.

Die Faustregel lautet: Die KI beantwortet „Wo ist mein Lkw?“ – wie die Tour fährt, entscheidet der Disponent. Alles, was sich aus Auftragsdaten, Sendungsstatus und festen Abläufen beantworten oder vorbereiten lässt, kann KI übernehmen. Alles, was Erfahrung, Abwägung im Einzelfall oder Verantwortung gegenüber Kunden und Fahrern verlangt, bleibt beim Menschen.

Der Hebel liegt dabei weniger in einzelnen spektakulären Anwendungen als in der Summe vieler kleiner Entlastungen: ein Statusanruf, der nicht mehr in der Disposition landet; ein Lieferschein, der nicht mehr abgetippt werden muss; ein Tourenvorschlag, der in Minuten statt Stunden steht.

Die besten KI-Tools für Apotheken:
4 Einsatzbereiche im Überblick

Einsatzbereich KI-Funktionen Anbieter
Telefonie & Kundenservice Status- und Abholanfragen annehmen, Fahreranrufe sortieren, an die Disposition weiterleiten Placetel AI, fonio.ai
Disposition und Tourenplanung Touren optimieren, Lenk- und Ruhezeiten berücksichtigen, Dispositionsaufgaben automatisieren PTV Logistics, WinSped, Translogica
Auftragserfassung und Dokumente Aufträge aus E-Mails und PDFs erfassen, Lieferscheine und PODs zuordnen, Rechnungen prüfen WinSped KI-Dropzone, Conlio
Sendungsverfolgung und Telematik Echtzeit-Status, automatische Kundenupdates, Flottenanalysen Transporeon, project44, Shippeo, Webfleet

1. Telefonie und Vorbestellungen

In der Disposition laufen alle Fäden zusammen – auch die Anrufe. Kunden fragen nach dem Status ihrer Sendung, Verlader melden kurzfristig eine Abholung an, Fahrer rufen an, weil die Rampe belegt ist oder ein Lieferschein fehlt. Viele dieser Anrufe sind Routine, unterbrechen aber jedes Mal die Planung.

Ein KI-Telefonassistent für die Logistik nimmt diese Anrufe an und sortiert sie. Standardfragen zu Öffnungszeiten, Annahmezeiten oder Abläufen beantwortet er selbst. Status- und Abholanfragen nimmt er mit Sendungs- oder Auftragsnummer, Ansprechpartner und Rückrufnummer vollständig auf. Fahreranrufe und dringende Anliegen – eine Panne, ein abgelehnter Zeitslot – stellt er sofort zur Disposition durch.

So landet nur noch das bei den Disponenten, was eine Entscheidung braucht. Und Kunden bekommen eine Antwort, statt in der Warteschleife zu hängen.

Anbieter Funktionen
Placetel AI Branchenübergreifender KI-Telefonassistent: Anrufannahme rund um die Uhr, unbegrenzt viele Gespräche gleichzeitig, mehrsprachig, Beantwortung von Routineanfragen, strukturierte Erfassung von Anliegen, Weiterleitung nach Dringlichkeit, Anbindung an WhatsApp, Live-Chat und E-Mail möglich. Unabhängig von Telefonanlage nutzbar. Deutscher Anbieter mit DSGVO-Konformität.
fonio.ai Branchenübergreifender KI-Telefonassistent: 24/7 Anrufannahme, Weiterleitung bei komplexen Anliegen, Rückruf, beantwortet Routinefragen, erstellt Gesprächstranskripte. Deutscher Anbieter mit DSGVO-Konformität.

Gerade in der Logistik ist Mehrsprachigkeit ein Vorteil: Fahrer aus vielen Ländern können ihr Anliegen in ihrer Sprache schildern, die Disposition bekommt es strukturiert auf Deutsch.

2. Disposition und Tourenplanung

Tourenplanung ist das Herzstück jeder Spedition: Sendungen kombinieren, Zeitfenster einhalten, Gewichte und Lademeter beachten, Lenk- und Ruhezeiten einplanen. KI-gestützte Software rechnet solche Kombinationen in Minuten durch und schlägt Touren vor, die der Disponent prüft und anpasst.

Anbieter Funktionen
PTV Logistics Tourenoptimierung mit PTV Route Optimiser und PTV OptiFlow; mit PTV Mira gibt es inzwischen auch eine KI-Agentin, die die Optimierungs-Engines direkt ansteuert.
WinSped KI-gestützte TMS von LIS mit KI-Assistent, der wiederkehrende Dispositionsaufgaben automatisiert und per Chat oder Spracheingabe unterstützt
Translogica Webbasiertes TMS auch für kleinere Speditionen mit dem KI-Tool „KI-Chatopher“ für Angebotsabgabe und Tourenplanung.

💡Wichtig ist der Weg der Einführung: Erfolgreiche Projekte lassen Disponenten und KI zunächst parallel planen und vergleichen die Ergebnisse. So wächst das Vertrauen in die Vorschläge – und Schwächen fallen auf, bevor sie im Betrieb stören.

3. Auftragserfassung und Dokumente

Transportaufträge kommen per E-Mail, als PDF, als Fax oder als handschriftliche Notiz. Lieferscheine, Abliefernachweise und Lademittelscheine müssen dem richtigen Auftrag zugeordnet werden, Eingangsrechnungen von Subunternehmern geprüft. Das ist klassische Abtipp-Arbeit – und genau dafür eignet sich KI besonders gut.

Anbieter Funktionen
WinSped KI-Dropzone Liest Aufträge aus PDFs, E-Mails, Scans und handschriftlichen Notizen aus und legt sie als Transportaufträge an; erkennt PODs, Lieferscheine und Lademittelscheine und ordnet sie zu.
Conlio KI-Dokumentenerfassung für Speditionen: klassifiziert eingehende Dokumente, ordnet Eingangsrechnungen Transportaufträgen zu und prüft Frachtpapiere. Nach Anbieterangabe werden 97 Prozent der Dokumente automatisch klassifiziert.

4. Sendungsverfolgung und Telematik

Die beste Statusanfrage ist die, die gar nicht erst gestellt wird. Visibility-Plattformen bündeln Daten aus Telematik, TMS und Partnernetzwerken, berechnen voraussichtliche Ankunftszeiten und informieren Kunden automatisch bei Abfahrt, Verzögerung oder Ankunft.

Anbieter Funktionen
Transporeon Plattform für Zeitfenstermanagement, Frachtvergabe und Sendungsverfolgung; KI-Funktionen etwa für Suchanfragen in natürlicher Sprache.
project44 Visibility-Plattform für Echtzeit-Sendungsverfolgung über Verkehrsträger hinweg mit KI-gestützten Ankunftsprognosen.
Shippeo Echtzeit-Sendungsverfolgung mit automatischen Statusupdates und ETA-Prognosen für Verlader und Logistiker.
Webfleet Flottenmanagement mit „Fleet Insights“ für Benchmarking und KI-Analysen der Fahrzeugdaten.

Visibility-Plattformen lohnen sich vor allem für Logistiker mit vielen Sendungen und großen Verladerkunden. Für kleinere Speditionen ist ein KI-Telefonassistent oft der schnellere Weg, Statusanfragen aus der Disposition herauszuholen.

Grenzen: Wo KI-Tools in der Logistik nichts verloren haben

🚨 Drei Situationen, die KI-Tools nicht allein lösen sollten:

• Unfälle und Pannen. Ruft ein Fahrer nach einem Unfall oder mit einer Panne an, braucht er sofort einen Menschen. Der Assistent stellt solche Anrufe ohne Umweg zur Disposition oder zur Notfallnummer durch – rund um die Uhr.

• Schäden und Reklamationen. Beschädigte Ware, eine Fehllieferung, ein Streit über Haftung oder Standgeld: Solche Fälle haben rechtliche und finanzielle Folgen. Der Assistent nimmt den Fall mit allen Angaben auf, die Bewertung und Antwort kommen von Ihrem Team.

• Verbindliche Zusagen. Frachtpreise, Liefertermine, Sonderfahrten, Gefahrgut- oder Zollfragen: Eine KI kann Anfragen erfassen und vorbereiten. Verbindlich zusagen sollte sie nichts – dafür braucht es jemanden, der Kapazität, Kosten und Vorschriften im Blick hat.

Dazu kommt eine Regel, die für jede KI mit Kundenkontakt gilt: Der Assistent gibt sich zu Gesprächsbeginn als KI zu erkennen, und es gibt jederzeit einen Weg zu einem Menschen. Laut der Voice KI Studie von Placetel würden 87 Prozent der Befragten Voice AI akzeptieren, wenn etwa die Weiterleitung an einen Menschen jederzeit möglich ist, die KI klar gekennzeichnet ist und Datenschutz und Transparenz gewährleistet sind.4

Und für die Disposition gilt: KI-Vorschläge sind Vorschläge. 58 Prozent der Logistikunternehmen sind überzeugt, dass KI nie so gut sein wird wie eine ausgebildete Logistik-Fachkraft.2 Die Erfahrung eines Disponenten, der seine Kunden, Fahrer und Strecken kennt, bleibt der Maßstab.

Welche KI-Tools eignen sich besonders für den Start?

Für Speditionen und Logistikdienstleister gilt: Fangen Sie dort an, wo die Disposition heute am häufigsten unterbrochen wird – und erst danach dort, wo KI tief in Planung und IT-Landschaft eingreift.

Fazit

In der Logistik ist KI kein Zukunftsprojekt mehr: Jedes zweite Unternehmen setzt sie bereits ein. Der größte Nutzen entsteht aber nicht durch das eine große System, sondern durch viele kleine Entlastungen im Alltag – vor allem dort, wo Disponenten heute Zeit mit Routine verbringen statt mit Planung.

Der Einstieg gelingt am besten am Telefon, wo Statusanfragen und Fahreranrufe die Disposition ständig unterbrechen, und bei der Auftrags- und Dokumentenerfassung. Wer dabei Datenschutz und Betriebsrat von Anfang an mitdenkt, schafft die Grundlage für die größeren Schritte in Tourenplanung und Sendungsverfolgung.

Häufig gestellte Fragen zu KI-Tools in der Logistik

Ja, gerade für kleine Speditionen, in denen Disponenten gleichzeitig planen, telefonieren und Fahrer betreuen. Jeder Statusanruf, den der Assistent aufnimmt oder beantwortet, ist eine Unterbrechung weniger. Dazu kommen Abhol- und Transportanfragen, die sonst außerhalb der Bürozeiten verloren gehen.

Das hängt von der Anbindung an Ihr TMS oder Ihre Sendungsverfolgung ab. Ohne Anbindung nimmt er die Anfrage mit Sendungsnummer und Rückrufnummer auf und gibt sie an die Disposition weiter – auch das spart bereits Zeit, weil alle nötigen Angaben vollständig vorliegen.

Ja und das ist auch gewollt. Zwar haben die meisten KI-Assistenten heute eine sehr natürliche Sprechweise, allerdings müssen sich KI-Telefonassistenten nach Artikel 50 der EU-KI-Verordnung (AI Act) seit dem 2. August 2026 klar gegenüber Anrufern als Künstliche Intelligenz zu erkennen geben. Entscheidend ist, dass Sie es nicht verschleiern und dass jederzeit ein Weg zu einem Menschen offensteht. Der Vorteil, überhaupt jemanden zu erreichen, wiegt die Skepsis meist auf.

Mehrsprachige KI-Telefonassistenten erkennen die Sprache des Anrufers und antworten darin. So sind mit Placetel AI z.B. mehr als 80 Sprachen möglich.

Nein. KI übernimmt Routineanrufe, Dateneingabe und Planungsvorschläge. Die Verantwortung für Touren, Fahrer und Kundenbeziehungen bleibt beim Disponenten – der dafür mehr Zeit bekommt.

Nein. Die Einrichtung eines KI-Telefonassistenten läuft über ein Webportal: Begrüßung hinterlegen, häufige Fragen eintragen, festlegen, welche Anrufe sofort zur Disposition durchgestellt werden. Das funktioniert bei den meisten KI-Assistent-Anbietern recht einfach per No-Code Baukasten - ganz ohne großes IT-Projekt. KI-Funktionen in TMS und Tourenplanung richten in der Regel die Softwareanbieter gemeinsam mit Ihnen ein.

Kundenkommunikation mit Placetel AI verbessern

  • 24/7 Erreichbarkeit
  • Unbegrenzt parallele AI Calls
  • Für In- und Outbound Calls
  • In +2.500 Anwendungen integrierbar
  • DSGVO- & EU AI Act konform

Quellen

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