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KI-Tools für Apotheken

Welche Anwendungen Ihr Team am HV-Tisch entlasten – und wo die pharmazeutische Beratung unersetzlich bleibt

Von Sandra Plett
JorSons/peopleimages.com - stock.adobe.com

„Ist mein Medikament schon da?“ Kaum eine Frage hört ein Apothekenteam am Telefon so oft. Dazu kommen Vorbestellungen, Fragen zum E-Rezept, zu Öffnungszeiten, zum Notdienst und zum Botendienst. Jeder dieser Anrufe ist berechtigt – und jeder holt eine PTA oder einen Apotheker vom HV-Tisch weg, an dem gerade ein Kunde auf Beratung wartet.

Gleichzeitig werden die Apotheken weniger. Ende Juni 2026 gab es laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) bundesweit nur noch 16.488 Apotheken – die niedrigste Zahl seit fast fünf Jahrzehnten.1 Die Patientinnen und Patienten der geschlossenen Apotheken verteilen sich auf die verbleibenden, ebenso ihre Anrufe.

KI-Tools für Apotheken setzen genau hier an: nicht an der pharmazeutischen Beratung, die Ihr Kerngeschäft ist, sondern an allem, was sie unterbricht – vom Telefon über die Warenwirtschaft bis zum Backoffice.

💡Das Wichtigste in Kürze

  • Weniger Apotheken heißt mehr Anrufe pro Apotheke. Ein großer Teil davon sind Routinefragen zu Verfügbarkeit, Vorbestellung und Öffnungszeiten.
  • Den schnellsten Effekt bringt ein KI-Telefonassistent – besonders, wenn er an die Warenwirtschaft angebunden ist und Lieferstatus selbst beantworten kann.
  • KI in der Warenwirtschaft hilft bei Bestellung, Bestand und Preisgestaltung. KI-Module zur Wechselwirkungsprüfung unterstützen, ersetzen aber keine pharmazeutische Bewertung.

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Warum KI-Tools für Apotheken gerade jetzt relevant werden

Das Apothekennetz in Deutschland wird dünner: Im ersten Halbjahr 2026 schlossen unter dem Strich 113 weitere Betriebe. Der Rückgang hat sich zwar verlangsamt, hält aber an.1 Mit rund 20 Apotheken pro 100.000 Einwohner liegt Deutschland laut ABDA deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 32.2

Drei Entwicklungen machen das Thema für Apothekeninhaber gerade jetzt dringlich:

1. Mehr Patienten pro Apotheke, gleiche Teamgröße. Jede geschlossene Apotheke verlagert ihre Kundschaft – und deren Anrufe – auf die umliegenden Betriebe. Qualifiziertes Personal ist gleichzeitig schwer zu finden. Das Telefon wird damit zum Stressfaktor, besonders in Stoßzeiten, wenn am HV-Tisch ohnehin Hochbetrieb herrscht.3

2. Neue Aufgaben kommen dazu. Nach den Plänen der Bundesregierung sollen Apotheken künftig mehr Leistungen anbieten, etwa Impfungen mit allen Totimpfstoffen, Vorsorge und Tests.1 Jede neue Leistung braucht Termine, Rückfragen und Organisation – und damit noch mehr Zeit am Telefon.

3. Das E-Rezept verändert die Anrufe. Seit Januar 2024 ist das E-Rezept für gesetzlich Versicherte Pflicht. Statt eines Papierrezepts bringen Patientinnen und Patienten nun ihre Gesundheitskarte mit – oder lösen das Rezept per App ein. Viele rufen vorher an, weil unklar ist, wie das Einlösen funktioniert, ob das Medikament vorrätig ist oder ob es per Botendienst gebracht werden kann. Diese Fragen sind gut vorhersehbar und lassen sich mit einem KI-Telefonassistenten strukturiert beantworten oder aufnehmen, ohne dass jemand den HV-Tisch verlassen muss.

Was KI-Tools in der Apotheke leisten können

Die Arbeit in der Apotheke spielt sich an zwei Orten ab: am HV-Tisch, wo Patientinnen und Patienten beraten werden, und im Hintergrund – am Telefon, in der Warenwirtschaft, bei Bestellungen, Rezeptprüfung und Abrechnung. Der zweite Bereich wächst, und er unterbricht den ersten.

Die Faustregel lautet: Die KI sagt, ob das Medikament da ist – wie es eingenommen wird, erklärt die Apothekerin. Alles, was sich aus Warenwirtschaft, Öffnungszeiten und festen Abläufen beantworten lässt, kann das KI-Tool übernehmen. Alles, was pharmazeutisches Wissen und eine Bewertung im Einzelfall verlangt, bleibt beim pharmazeutischen Personal.

Der größte Hebel liegt in der Verbindung von Telefon und Warenwirtschaft. Ein KI-Assistent, der nur Nachrichten aufnimmt, entlastet bereits. Ein Assistent, der den Lieferstatus einer Vorbestellung selbst nachsehen kann, beantwortet die häufigste Frage am Telefon, ohne dass jemand den HV-Tisch verlassen muss.

Die besten KI-Tools für Apotheken:
4 Einsatzbereiche im Überblick

Einsatzbereich KI-Funktionen Anbieter
Telefonie & Vorbestellungen Anrufe annehmen, Vorbestellungen und Rückrufwünsche erfassen, Notdienst nennen Placetel AI, IXOS.iCall, fonio.ai
Warenwirtschaft und Preise Bestellvorschläge, Bestandsoptimierung, Preisvorschläge IXOS Rx5.0 und VK4.0, IXOS.Assistent
Beratungsunterstützung Wechselwirkungen verständlich aufbereiten, an offene Fragen erinnern ADG, awinta
Kommunikation und Marketing Aushänge, Social Media, Antworten auf Google-Bewertungen ChatGPT, Canva, replient.ai

1. Telefonie und Vorbestellungen

Das Apothekentelefon klingelt meist dann, wenn am HV-Tisch eine Schlange steht. Viele Anrufe drehen sich um dieselben Fragen: Ist das bestellte Medikament schon da? Kann ich etwas vorbestellen? Wer hat heute Notdienst? Liefern Sie auch nach Hause? Wie funktioniert das mit dem E-Rezept?

Ein KI-Telefonassistent für Apotheken nimmt diese Anrufe an, beantwortet Fragen zu Öffnungszeiten, Botendienst und Notdienst aus Ihrer Wissensbasis und nimmt Vorbestellungen und Rückrufwünsche strukturiert auf. Anrufe, die eine pharmazeutische Einschätzung brauchen, leitet er an das Team weiter oder vereinbart einen Rückruf.

Ob der Assistent auch den Lieferstatus selbst nachsehen kann, hängt von der Anbindung an Ihre Warenwirtschaft ab. Fragen Sie den Anbieter gezielt danach – hier liegt der größte Unterschied zwischen den Lösungen.

Anbieter Funktionen
Placetel AI Branchenübergreifender KI-Telefonassistent: Anrufannahme rund um die Uhr, unbegrenzt viele Gespräche gleichzeitig, Beantwortung von Routineanfragen, strukturierte Erfassung von Anliegen, Weiterleitung nach Dringlichkeit, Anbindung an WhatsApp, Live-Chat und E-Mail möglich. Unabhängig von Telefonanlage nutzbar. Deutscher Anbieter mit DSGVO-Konformität.
IXOS.iCall KI-Telefonassistent speziell für Apotheken, auf der Expopharm 2026 vorgestellt, der KI-gestützte Telefonie direkt mit der IXOS-Warenwirtschaft verbindet. Automatisierte Annahme von Kundengesprächen, führt natürliche Gespräche und unterstützt selbstständig bei standardisierten Anliegen mit DSGVO-Konformität.
fonio.ai Branchenübergreifender KI-Telefonassistent: 24/7 Anrufannahme, Weiterleitung bei komplexen Anliegen, Rückruf, Notdienst-Hinweis, Zusammenfassungen per E-Mail. Deutscher Anbieter mit DSGVO-Konformität.

2. Warenwirtschaft und Preise

Lieferengpässe, Rabattverträge, schwankende Nachfrage: Die Warenwirtschaft einer Apotheke ist ein ständiges Abwägen zwischen Verfügbarkeit und Lagerkosten. KI-Funktionen werten Verkaufszahlen aus, schlagen Bestellmengen vor und helfen bei der Preisgestaltung im Freiwahlbereich.

Anbieter Funktionen
IXOS Rx5.0 und IXOS VK4.0 KI-Systeme in der Pharmatechnik-Warenwirtschaft; VK4.0 analysiert den Marktpreis und schlägt Preisanpassungen vor.
IXOS.Assistent KI-gestützte Anwendung von Pharmatechnik, die allen IXOS-Anwendern zur Verfügung steht.

💡In der Regel bringt Ihre bestehende Warenwirtschaft bereits KI-Funktionen mit oder bekommt sie mit dem nächsten Update.

3. Beratungsunterstützung

Im Hintergrund jeder Apothekensoftware laufen Arzneimitteldatenbanken. KI-Module setzen darauf auf und erklären Treffer, etwa bei einer Wechselwirkungsprüfung, in verständlicher Sprache. Das spart Zeit beim Nachschlagen und kann helfen, die Beratung strukturierter zu führen.

Anbieter Funktionen
ADG Apothekensoftware mit integrierten KI-Modulen, die Ergebnisse aus Arzneimitteldatenbanken verständlich aufbereiten.
awinta Apothekensoftware mit integrierten KI-Modulen zur Unterstützung bei Wechselwirkungschecks.

💡Wichtig: Solche Module sortieren und erklären, sie bewerten nicht. Ob eine Wechselwirkung im konkreten Fall relevant ist, entscheidet das pharmazeutische Personal.

4. Kommunikation und Marketing

Aushänge zu Impfaktionen, Beiträge für Social Media, der Newsletter zur Erkältungssaison, Antworten auf Google-Bewertungen: Auch Apotheken müssen sichtbar sein. KI liefert schnell erste Entwürfe, die Sie anschließend prüfen.

Anbieter Funktionen
ChatGPT Entwürfe für Aushänge, Social-Media-Beiträge und Kundeninformationen – ohne Patientendaten.
Canva Plakate, Schaufenster-Grafiken und Social-Media-Beiträge mit KI-gestützter Bildbearbeitung.
replient.ai Beantwortet Google-Bewertungen im eigenen Tonfall über die offizielle Google-Schnittstelle. Steuerbar, was automatisch veröffentlicht und was vorher freigegeben wird.

Grenzen: Wo KI-Tools in der Apotheke nichts verloren haben

🚨 Drei Dinge, die KI-Tools nicht allein entscheiden sollten:

• Arzneimittelberatung: Wie ein Medikament eingenommen wird, ob es sich mit einem anderen verträgt, ob die Dosis passt: Das ist pharmazeutische Beratung und Aufgabe des pharmazeutischen Personals. Der Assistent nimmt die Frage auf und organisiert einen Rückruf oder verweist auf ein Gespräch in der Apotheke.

• Akute Beschwerden. Ein Kind hat Tabletten verschluckt, jemand reagiert allergisch auf ein neues Medikament: Solche Anrufe stellt der Assistent sofort zu einer Apothekerin oder einem Apotheker durch. Außerhalb der Öffnungszeiten verweist er auf die Notdienstapotheke und den ärztlichen Bereitschaftsdienst.

• Auskünfte über Patienten. Ob ein Rezept für die Nachbarin abgeholt werden kann oder welche Medikamente ein Angehöriger bekommt, lässt sich am Telefon nicht sicher prüfen. Der Assistent gibt keine Auskünfte über Patienten an Dritte.

Dazu kommt eine Regel, die für jede KI mit Patientenkontakt gilt: Der KI-Assistent gibt sich zu Gesprächsbeginn als KI zu erkennen, und es gibt jederzeit einen Weg zu einem Menschen. Laut der Voice KI Studie von Placetel würden 87 Prozent der Befragten Voice AI akzeptieren, wenn etwa die Weiterleitung an einen Menschen jederzeit möglich ist, die KI klar gekennzeichnet ist und Datenschutz und Transparenz gewährleistet sind.5

Und schließlich die Grenze, die die Vor-Ort-Apotheke von jedem Versandhändler unterscheidet: das persönliche Gespräch am HV-Tisch. KI soll dieses Gespräch nicht ersetzen, sondern dafür sorgen, dass dafür wieder mehr Zeit bleibt.

Welche KI-Tools eignen sich besonders für den Start?

Für Apotheken gilt: Fangen Sie dort an, wo Ihr Team heute am häufigsten vom HV-Tisch weggeholt wird – und erst danach dort, wo KI in pharmazeutische Abläufe eingreift.

Fazit

Für Vor-Ort-Apotheken ist KI kein Ersatz für das, was sie vom Versandhandel unterscheidet. Sie ist ein Werkzeug, um genau das zu schützen: die persönliche Beratung am HV-Tisch. Je weniger Apotheken es gibt, desto mehr lastet auf jeder einzelnen – und desto wertvoller wird jede Minute, die das Team nicht am Telefon mit der Frage verbringt, ob ein Medikament schon da ist.

Der Einstieg gelingt am besten am Telefon, idealerweise mit Anbindung an die Warenwirtschaft. Alles, was pharmazeutisches Wissen verlangt, bleibt dort, wo es hingehört: bei Apothekerinnen, Apothekern und PTA, die ihre Patientinnen und Patienten kennen.

Häufig gestellte Fragen zu KI-Tools in der Apotheke

Ja, gerade für kleine Apotheken, in denen oft nur zwei oder drei Personen gleichzeitig im Dienst sind. Jeder Anruf, den der KI-Assistent selbst erledigt, ist ein Kunde weniger, der am HV-Tisch warten muss. Dazu kommen Vorbestellungen und Rückrufwünsche, die sonst verloren gingen.

Das hängt von der Anbindung an Ihre Warenwirtschaft ab. Ist er angebunden, kann er Verfügbarkeit oder Lieferstatus nachsehen. Ohne Anbindung nimmt er die Anfrage mit Name, Rückrufnummer und Präparat auf, und Ihr Team meldet sich.

Ja und das ist auch gewollt. Zwar haben die meisten KI-Assistenten heute eine sehr natürliche Sprechweise, allerdings müssen sich KI-Telefonassistenten nach Artikel 50 der EU-KI-Verordnung (AI Act) seit dem 2. August 2026 klar gegenüber Anrufern als Künstliche Intelligenz zu erkennen geben. Entscheidend ist, dass Sie es nicht verschleiern und dass jederzeit ein Weg zu einem Menschen offensteht. Der Vorteil, überhaupt jemanden zu erreichen, wiegt die Skepsis meist auf.

Nein. KI übernimmt Routineanrufe, Bestellvorschläge und Texte. Die Beratung, die Abgabe von Arzneimitteln und das Vertrauensverhältnis zu Patientinnen und Patienten bleiben beim pharmazeutischen Personal – und bekommen dadurch mehr Zeit.

Nein. Die Einrichtung eines KI-Telefonassistenten läuft über ein Webportal: Begrüßung hinterlegen, Öffnungszeiten, Botendienst und Notdienstregelung eintragen, festlegen, welche Anrufe sofort durchgestellt werden. Das funktioniert bei den meisten KI-Assistent-Anbietern recht einfach per No-Code Baukasten - ganz ohne großes IT-Projekt. KI-Funktionen in der Warenwirtschaft aktiviert in der Regel Ihr Softwareanbieter.

Kundenkommunikation mit Placetel AI verbessern

  • 24/7 Erreichbarkeit
  • Unbegrenzt parallele AI Calls
  • Für In- und Outbound Calls
  • In +2.500 Anwendungen integrierbar
  • DSGVO- & EU AI Act konform

Quellen

1. Pharmazeutische Zeitung: Zahl der Apotheken fällt unter 16.500, 14.09.2026, auf Basis von ABDA-Daten
2. Deutsches Ärzteblatt / dpa: Zahl der Apotheken in Deutschland sinkt weiter, 10.01.2025 (Apothekendichte 2024)
3. apotheke adhoc: Webinar „Stressfaktor Apothekentelefon – Wie KI entlasten kann“, Transkript, 2025
4. Placetel: Voice AI Studie 2025

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