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KI-Tools für Callcenter

Fünf Einsatzbereiche von KI, die den Servicebetrieb tatsächlich verändern

Von Lisanne Philipps
Überprüft von Sandra Plett
Monkey Business / stock.adobe.com

Kaum eine Branche kennt automatisierte Kundenkommunikation so gut wie der Kundenservice. Schließlich baut er sie für andere auf.

Umso erstaunlicher ist, wie viel im eigenen Betrieb weiterhin von Hand läuft: das Protokoll nach jedem einzelnen Gespräch, die Suche in der Wissensdatenbank, während der Kunde in der Leitung wartet, die Stichprobe am Monatsende, bei der von tausend Gesprächen fünf geprüft werden. Nichts davon ist spektakulär, und genau deshalb fällt es selten auf. Zusammen­gerechnet ist es der größte Zeitfresser im Servicebetrieb und der, bei dem die heutigen Werkzeuge am verlässlichsten etwas abnehmen.

💡Das Wichtigste in Kürze

  • KI ist im Kundenservice keine Zukunftsfrage mehr: 63 Prozent der Unternehmen haben sie im Einsatz oder in der Umsetzung, nur 1 Prozent hält sie für nicht sinnvoll.
  • Den schnellsten messbaren Effekt bringt nicht die Sprachautomatisierung, sondern die Nachbearbeitung — dort liegt das größte Einsparpotenzial, und die Kennzahl dafür steht bereits in jedem Contact-Center-System.
  • Eskalationen, Vertragsentscheidungen und der verdeckte Einsatz von KI bleiben tabu. Wer automatisiert, muss auch darauf hinweisen.

Status Quo: Einsatz von KI-Tools in Callcentern

Anders als in den meisten Branchen muss man im Kundenservice niemanden mehr davon überzeugen, dass KI ein Thema ist. Die Frage lautet hier nicht ob, sondern wie gut.

Die Trend-Studie Contact Center ¹ erscheint seit 2019 jährlich und befragt Fach- und Führungskräfte aus dem Kundenservice im deutschsprachigen Raum. Das Ergebnis für 2026 ist eindeutig:

Die Branche ist damit weiter, als die Debatte vermuten lässt und sie ist sich erstaunlich einig: Widerspruch gegen den Einsatz gibt es praktisch keinen mehr.

Bemerkenswerter als die Verbreitung ist allerdings, was dabei nicht passiert. Während immer mehr Unternehmen automatisieren, erheben immer weniger die Kennzahlen, an denen sich der Nutzen ablesen ließe: Bearbeitungszeit, Servicelevel und Wartezeit werden nur noch von 70 Prozent der Betriebe gemessen, ein Jahr zuvor waren es 81 Prozent.¹ Ausgerechnet die Werte also, mit denen sich ein Automatisierungsprojekt rechnen lässt.

Dabei ist der Nutzen gut zu belegen, wenn man ihn richtig ansetzt. KI ersetzt keine Agents, sie verschiebt Arbeit: Ein Teil der einfachen Anliegen erreicht das Team gar nicht mehr, bei den übrigen ist es besser vorbereitet und verbringt weniger Zeit mit der Dokumentation. Gerechnet wird das nicht in Stellen, sondern in Minuten pro Kontakt und die fallen bei jedem Gespräch an, jeden Tag.

Warum KI-Tools für Call-Center gerade jetzt relevanter werden

Kaum eine Branche wird so direkt von künstlicher Intelligenz verändert wie die Kundenkommunikation am Telefon. Laut Branchenverband CCV arbeiten in Deutschland rund 560.000 Menschen in Call- und Contact-Centern, interne Kundenservice-Abteilungen von Unternehmen eingerechnet.2 Gleichzeitig setzt inzwischen mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen KI ein.3 Für Call-Center stellt sich deshalb nicht mehr die Frage, ob KI kommt, sondern wofür sie eingesetzt wird.

Drei Entwicklungen machen das Thema für Call-Center-Betreiber gerade jetzt dringlich:

1. Das Massengeschäft verändert sich. Der CCV beobachtet bereits einen Rückgang bei einfachen, standardisierten Anfragen.2 Statusabfragen, Adressänderungen, Fragen zur Rechnung oder zum Liefertermin lassen sich zunehmend automatisiert beantworten, am Telefon ebenso wie im Chat. Wer diese Anfragen weiterhin vollständig mit Personal bedient, bindet Kapazität, die für schwierigere Gespräche fehlt.

2. Lastspitzen lassen sich mit Personal allein kaum abfangen. Montagmorgen, eine Störung im Netz, eine Rückrufaktion, der Start einer Kampagne: Das Anrufvolumen schwankt oft stärker, als sich Schichten planen lassen. Ein KI-Telefonassistent nimmt in solchen Spitzen beliebig viele Gespräche gleichzeitig an. Er beantwortet Standardanliegen selbst, erfasst den Rest vollständig und leitet komplexe Fälle an das Team weiter. Die Warteschleife wird kürzer, und die Agenten bekommen die Gespräche, für die es sie wirklich braucht.

3. Die Spielregeln stehen fest. Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten der KI-Verordnung: Ein KI-Assistent muss sich gegenüber Anrufern als KI zu erkennen geben. Kunden lehnen das nicht grundsätzlich ab. Laut der Voice AI Studie von Placetel würden 87 Prozent der Befragten Voice AI akzeptieren, wenn etwa die Weiterleitung an einen Menschen jederzeit möglich ist, die KI klar gekennzeichnet ist und Datenschutz und Transparenz gewährleistet sind.4 Wer jetzt einsteigt, kann seine Abläufe von Anfang an auf diese Regeln ausrichten.

Entscheidend ist dabei die Rollenverteilung: KI übernimmt das Wiederkehrende, Menschen übernehmen Beratung, Beschwerden und alles, was Einfühlungsvermögen braucht. Richtig eingesetzt, ersetzt sie die Agenten nicht. Sie verschafft ihnen Zeit für die Gespräche, in denen sich Kundenzufriedenheit tatsächlich entscheidet.

Was KI-Tools für Call-Center leisten können

Im Call-Center gibt es zwei Arten von Gesprächen. Die einen wiederholen sich hundertfach am Tag: Wo bleibt meine Lieferung? Wie ändere ich meine Adresse? Wann wird abgebucht? Die anderen sind die, für die Kunden wirklich einen Menschen brauchen: eine Beschwerde, ein komplizierter Vertragsfall, eine Kündigung, die sich vielleicht noch abwenden lässt. Beide landen heute in derselben Warteschleife.

Die Faustregel für den KI-Einsatz lautet deshalb: Die KI nimmt jeden Anruf an – die schwierigen Fälle lösen Menschen. Konkret bringt das fünf Vorteile:

Keine Warteschleife in Lastspitzen.

Ein KI-Telefonassistent führt beliebig viele Gespräche gleichzeitig. Ob Montagmorgen, Netzstörung oder Kampagnenstart: Jeder Anrufer wird sofort begrüßt, statt minutenlang Musik zu hören. Standardanliegen erledigt die KI direkt, alles andere reiht sie geordnet ein.

Erreichbarkeit rund um die Uhr.

Auch außerhalb der Schichtzeiten nimmt der Assistent Anrufe an, beantwortet häufige Fragen und erfasst Rückrufwünsche. Am nächsten Morgen startet das Team nicht mit einer vollen Mailbox, sondern mit einer sortierten Liste.

Vorqualifizierte Gespräche und gezielte Weiterleitung.

Bevor ein Anruf beim Agenten ankommt, hat die KI bereits Anliegen, Kundennummer und relevante Details erfasst und den Anrufer an die richtige Abteilung geleitet. Das spart die ersten Minuten jedes Gesprächs. Fehlleitungen zwischen Abteilungen werden seltener, und mehr Anliegen lassen sich gleich im ersten Kontakt lösen.

Weniger Nacharbeit.

KI-Funktionen fassen Gespräche automatisch zusammen, erstellen Transkripte und leiten To-dos ab. Die Nachbearbeitungszeit nach jedem Anruf sinkt, und die Dokumentation wird einheitlicher, unabhängig davon, wer das Gespräch geführt hat.

Mehr Raum für anspruchsvolle Gespräche.

Wer nicht den ganzen Tag dieselben fünf Fragen beantwortet, hat mehr Energie für die Gespräche, die Fingerspitzengefühl verlangen. Das verbessert die Servicequalität und kann dazu beitragen, dass die Arbeit im Call-Center abwechslungsreicher und attraktiver wird.

Dazu kommt ein Vorteil, der oft unterschätzt wird: KI erkennt Muster. Wenn an einem Vormittag auffällig viele Anrufer dasselbe Problem schildern, sieht das Team das früh und kann reagieren, bevor aus einer Störung eine Beschwerdewelle wird.

Die besten KI-Tools für Callcenter:
Die fünf Einsatzbereiche im Überblick

Bereich Was die KI übernimmt Anbieter
Sprachautomatisierung im Erstkontakt Anliegen in freier Sprache erkennen, Routinefälle abschließen, gezielt weiterleiten Placetel AI, Parloa, Cognigy, VIER
Agent Assist im Gespräch Antwortvorschläge, Wissensabruf und Hinweise in Echtzeit Cognigy, VIER, Genesys, Zendesk
Nachbearbeitung und Dokumentation Gespräche zusammenfassen, Tickets vorbefüllen, Kategorien vergeben VIER, Cognigy, Puzzel
Qualitätssicherung und Analyse Alle Gespräche auswerten statt einer Stichprobe VIER, Spitch, Puzzel
Wissensmanagement und Self-Service Wissensbasis pflegen, Anliegen vor dem Kontakt lösen Cognigy, Parloa, Zendesk

1. Sprachautomatisierung im Erstkontakt

Das ist der sichtbarste Bereich für Callcenter und der, bei dem am meisten schiefgehen kann.

Gemeint ist damit die Ablösung klassischer Sprachmenüs, sogenannte IVR, durch Systeme, die in freier Sprache verstehen, worum es geht. Statt „Für Rechnungen drücken Sie die Zwei“ sagt der Anrufende, was er will, und landet entweder direkt bei der Lösung oder bei der richtigen Stelle. Nach der Trend-Studie ¹ nutzen inzwischen rund 40 Prozent der befragten Unternehmen Voicebots mit freier Spracherkennung — erstmals eine Größenordnung, die den Chatbots nahekommt.

Anbieter Was die KI übernimmt
Placetel AI Branchenübergreifende Lösung: Anrufannahme rund um die Uhr, unbegrenzt viele Gespräche gleichzeitig, Inbound- und Outbound Calls, Auskünfte aus einer Wissensbasis, die auch WhatsApp und Live-Chat bedient. Arbeitet mit bestehender Telefonanlage. DSGVO-konform.
Parloa Plattform für sprachbasierte KI-Agenten, ausgelegt auf große Anrufvolumina und komplexe Dialoge. Starke Verbreitung bei Konzernen und größeren Dienstleistern
Cognigy Conversational-AI-Plattform für Sprache und Text, mit Baukasten für Dialogflüsse und Anbindung an gängige Contact-Center-Systeme
VIER Deutscher Anbieter aus Hannover mit Contact-Center-Plattform und eigenen KI-Modulen

Entscheidend ist dabei, dass der KI-Assistent jederzeit auch zuverlässig an einen menschlichen Ansprechpartner weiterleitet. In einer repräsentativen Bitkom-Befragung5 gaben 62 % an, sich im Problemfall einen menschlichen Ansprechpartner zu wünschen; 36 % davon würden alternativ auch zum Chatbot greifen. Ein Dialog mit einem KI-Assistenten, der den Ausweg zum Team verbaut, führt also dazu, dass Gespräche gespart werden, aber auch zum Verlust von wertvollen Kunden.

2. Agent Assist im laufenden Gespräch

Der Unterschied zum vorigen Bereich entscheidet alles: Dort spricht die KI mit dem Kunden, hier spricht sie mit dem Agent. Der Kunde redet also weiterhin mit einem Menschen und merkt von der Technik nichts und genau deshalb wird dieser Bereich unterschätzt.

Während der Agent spricht, hört das System mit und blendet ein, was gerade hilft: die passende Passage aus der Wissensdatenbank, einen Antwortvorschlag, den Hinweis auf eine zugesagte Frist. Der Nutzen liegt vor allem bei neuen Mitarbeitenden: Einarbeitungszeiten verkürzen sich, weil das Wissen im Moment des Bedarfs erscheint statt in einer Schulung drei Wochen vorher, die bereits in Vergessenheit geraten ist. Ein Hinweis aus der Praxis: Agent Assist steht und fällt mit der Wissensbasis dahinter.

Anbieter Was die KI übernimmt
Cognigy Echtzeitunterstützung für Agents als Teil der Plattform, mit Zugriff auf dieselbe Wissensbasis wie die automatisierten Dialoge
VIER KI-Module zur Unterstützung im Gespräch, einschließlich Auswertung von Gesprächsverlauf und Stimmung
Genesys Große Contact-Center-Plattform mit integrierten Assistenzfunktionen für Agents. Naheliegend, wenn die Plattform ohnehin im Haus ist
Zendesk Ticket- und Serviceplattform mit KI-gestützten Antwortvorschlägen direkt im Arbeitsplatz der Agents

3. Nachbearbeitung und Dokumentation

Hier liegt der Bereich mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung, und zwar aus einem einfachen Grund: Die Nachbearbeitung nach jedem Gespräch bietet ein besonders großes Potenzial, Zeit einzusparen.

Das KI-System erzeugt aus dem Gespräch automatisch eine Zusammenfassung, befüllt das Ticket vor und vergibt Kategorien. Der Agent prüft dann später und gibt es frei. Was vorher ein bis zwei Minuten pro Gespräch gekostet hat, schrumpft auf einen Blick und das multipliziert sich mit jedem Kontakt des Tages.

Anbieter Was die KI übernimmt
VIER Automatische Gesprächszusammenfassung und Kategorisierung, Anbindung an die eigene Contact-Center-Plattform
Cognigy Zusammenfassung und Übergabe von Gesprächsinhalten an nachgelagerte Systeme
Puzzel Cloud-Contact-Center mit KI-Funktionen für Zusammenfassung und Nachbearbeitung, verbreitet im europäischen Mittelstand

Rechnen lässt sich das in einer Zeile: eingesparte Minuten mal Kontakte pro Tag mal Anzahl der Agents. Deshalb eignet sich dieser Bereich auch am besten für einen ersten Versuch — die nötige Kennzahl, die durchschnittliche Nachbearbeitungszeit, steht in jedem Contact-Center-System, und nach zwei Wochen wissen Sie, ob sich etwas bewegt hat.

4. Qualitätssicherung und Analyse

Klassische Qualitätssicherung arbeitet mit Stichproben: Ein Teamleiter hört eine Handvoll Gespräche pro Monat und Agent. Das ist besser als nichts, aber es ist eine sehr dünne Grundlage für Beurteilungen und es findet Probleme nur zufällig, statt gezielt.

Interaction Analytics wertet stattdessen alle Gespräche aus und sucht nach Mustern: Häufungen bestimmter Anliegen, Stellen mit hoher Gesprächsdauer, wiederkehrende Formulierungen vor einer Eskalation.

Anbieter Was die KI übernimmt
VIER Auswertung von Gesprächsinhalten und Mustern über das gesamte Aufkommen, als Teil der Plattform
Spitch Anbieter mit Schwerpunkt auf Sprachtechnologie und Analyse von Kundengesprächen
Puzzel Auswertungs- und Qualitätsfunktionen im Rahmen der Contact-Center-Lösung

Der grundlegende Unterschied: Statt Probleme nur zufällig zu entdecken, lassen sie sich gezielt in den Gesprächen aufspüren. Wiederholt sich ein Problem in vielen Gesprächen, wird dieses Muster bei der Auswertung aller Gespräche sichtbar. Eine Stichprobe von nur fünf Gesprächen ist dagegen oft zu klein, um die Häufung zu erkennen.

Dieser Bereich ist besonders heikel – nicht aus technischer, sondern aus arbeitsrechtlicher Sicht. Sobald Gespräche systematisch ausgewertet werden, ist die Grenze zur Leistungs- und Verhaltenskontrolle erreicht.

5. Wissensmanagement und Self-Service

Dieser Bereich setzt am frühesten an: bei Anliegen, die den Service gar nicht erst erreichen sollen.

Eine gepflegte Wissensbasis bedient drei Kanäle gleichzeitig: den Self-Service auf der Website, die automatisierten Dialoge und die Agents im Gespräch. Genau darin liegt der Reiz: Eine Änderung wirkt an drei Stellen gleichzeitig.

Anbieter Was die KI übernimmt
Cognigy Wissensbasis als gemeinsame Grundlage für Bots und Agent Assist
Parloa Dialogsteuerung mit Anbindung an vorhandene Wissensquellen
Zendesk Help Center mit KI-gestützten Antwortvorschlägen, verbreitet bei Unternehmen, die ohnehin mit Zendesk arbeiten

Der Ertrag zeigt sich dabei an einer Stelle, an der man ihn nicht sucht: Je besser der Self-Service greift, desto anspruchsvoller wird das, was übrig bleibt. Die Zahl der Kontakte sinkt, ihre durchschnittliche Dauer steigt und das ist kein Fehler, sondern das Ergebnis.

Wo KI im Kundenservice nichts verloren hat

Drei Dinge gehören nicht in die Hand eines automatisierten Systems.

Keine Eskalation abschließen.

Wer sich beschwert, hat in der Regel schon einen Versuch hinter sich. Ein KI-Tool darf das Anliegen aufnehmen und einordnen, entscheiden sollte es nicht. Stattdessen: priorisiert an eine Person übergeben, mit allem, was bereits erfasst ist.

Keine Vertragsentscheidung.

Kündigungen, Kulanz, Erstattungen — alles, was eine rechtliche oder finanzielle Folge hat, braucht eine menschliche Freigabe. Stattdessen: den Vorgang vorbereiten, damit die Entscheidung in Sekunden statt in Minuten fällt.

Kein verdeckter Einsatz.

Wer mit einer Maschine spricht, soll das wissen. Das ist nicht nur eine Frage der Transparenzpflichten, sondern auch des Vertrauens: Nach einer repräsentativen Bitkom-Befragung5 bevorzugen 62 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher im Problemfall einen menschlichen Ansprechpartner. Stattdessen: kurz ansagen und jederzeit einen Weg zum Team offenhalten.

Datenschutz, Mitbestimmung und AI Act

Im Kundenservice treffen drei Regelungsbereiche aufeinander, und das macht diesen Teil aufwendiger als in anderen Branchen.

Datenschutz

Gesprächsaufzeichnungen sind personenbezogene Daten, Transkripte ebenfalls. Es braucht eine Rechtsgrundlage, eine festgelegte Aufbewahrungsdauer und einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit jedem beteiligten Anbieter. Bei Dienstleistern, die für Auftraggeber arbeiten, kommt eine zweite Vertragsebene dazu.

Mitbestimmung

Sobald KI-Tools Gespräche auswerten, Bearbeitungszeiten messen oder Qualität bewerten, sind sie zur Leistungs- und Verhaltenskontrolle geeignet und damit mitbestimmungspflichtig. Der Betriebsrat gehört eingebunden, bevor die Produktauswahl fällt, nicht danach. Das ist kein formaler Punkt: Es ist der häufigste Grund, warum Analytics-Projekte im Kundenservice liegen bleiben.

Transparenz nach dem AI Act

Wer ein System einsetzt, das mit Menschen interagiert, muss das offenlegen. Für einen Sprachassistenten bedeutet das eine kurze Ansage zu Gesprächsbeginn, die ohnehin die bessere Lösung ist. Wie wenig das bislang angekommen ist, zeigt die Trend-Studie ¹ deutlich: 33 Prozent der befragten Unternehmen haben sich mit den Auswirkungen des EU AI Act auf das eigene Geschäftsfeld überhaupt noch nicht befasst, weitere 25 Prozent nur ansatzweise. Bei 58 Prozent findet die Regulierung also keine oder nur marginale Beachtung und der Anteil derer, die sich gar nicht damit befasst haben, ist gegenüber dem Vorjahr sogar um 6 Prozentpunkte gestiegen.

Welche KI-Tools eignen sich für den Start?

Die Reihenfolge ist hier eine andere als in den übrigen Branchen, weil der sichtbarste Bereich nicht der beste Einstieg ist.

Am Anfang steht die Nachbearbeitung. Sie verändert nichts am Kundenkontakt, braucht keine Abstimmung mit dem Marketing und keine neue Dialogstrecke. Die Kennzahl steht bereits in Ihrem System, und nach zwei Wochen sehen Sie, ob die durchschnittliche Nachbearbeitungszeit gesunken ist. Schneller lässt sich ein KI-Projekt nicht belegen.

Danach kommt die Sprachautomatisierung. Der größere Hebel, aber auch das größere Projekt — mit Dialogentwurf, Testphase und Abstimmung darüber, was automatisiert werden darf und was nicht. Fangen Sie mit zwei oder drei klar umrissenen Anliegen an, nicht mit dem gesamten Anrufaufkommen.

Parallel dazu kann man die Analyse einbauen. Sie ist kein Einstiegsprojekt, sondern das Fundament: Ohne Auswertung wissen Sie nicht, welche Anliegen sich zu automatisieren lohnen. Rechnen Sie hier die Abstimmung mit dem Betriebsrat von Anfang an ein.

Zuletzt Agent Assist und Self-Service. Beides wirkt, beides setzt aber eine gepflegte Wissensbasis voraus. Wer die nicht hat, sollte sie zuerst in Ordnung bringen — das ist die eigentliche Arbeit, und sie zahlt auf alle anderen Bereiche ein.

Fazit: Messen, bevor Sie automatisieren

Der Kundenservice ist die Branche, die KI am frühesten eingeführt hat — und ausgerechnet dort wird am wenigsten nachgehalten, was sie bringt. Dass ausgerechnet Bearbeitungszeit, Servicelevel und Wartezeit seltener gemessen werden, während der Einsatz steigt, ist der bemerkenswerteste Befund der aktuellen Branchenstudie.

Darin liegt aber auch die Chance. Wer heute einsteigt, muss nicht das ausgefeilteste System haben. Es reicht, einen Bereich auszuwählen, zwei Kennzahlen vorher festzulegen und nach vier Wochen hinzusehen. Damit ist man weiter als viele, die seit zwei Jahren automatisieren und auf die Frage nach dem Ergebnis mit einem Eindruck antworten.

Häufig gestellte Fragen

Das unterscheidet sich je nach Größenordnung erheblich. Plattformen für große Volumina werden projektbezogen kalkuliert und beginnen im vierstelligen Monatsbereich, schlankere Assistenten für kleinere Serviceeinheiten ab etwa 70 Euro monatlich. Funktionen zur Nachbearbeitung sind häufig bereits in bestehenden Contact-Center-Verträgen enthalten — fragen Sie dort zuerst nach.

Nein, nicht zwangsläufig. Mehrere Anbieter wie z.B. Placetel lassen sich an vorhandene Systeme anbinden.

In der Regel ja, solange zwei Bedingungen erfüllt sind: Das System gibt sich zu erkennen, und der Weg zu einem Menschen steht jederzeit offen. Umfragen zeigen regelmäßig, dass eine große Mehrheit genau diesen Zugang verlangt. Wer ihn verbaut, spart Gespräche und verliert Kunden.

Legen Sie je Bereich zwei Kennzahlen fest, bevor Sie starten. Bei der Nachbearbeitung die durchschnittliche Nachbearbeitungszeit, bei der Sprachautomatisierung den Anteil vollständig gelöster Anliegen und die Weiterleitungsquote. Beides steht in gängigen Contact-Center-Systemen bereits zur Verfügung.

In der Praxis verschiebt sich eher die Zusammensetzung der Arbeit als ihr Umfang. Einfache Anliegen fallen weg, die verbleibenden Gespräche werden im Schnitt länger und anspruchsvoller. Das verändert Anforderungsprofile und Schulungsbedarf — und es ist ein Thema, das Sie besser offen ansprechen als abwarten.

Quellen

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